Ballack: Es rumort schon länger im Team

betfair-Botschafter Michael Ballack über den schockierenden Start der deutschen Elf in Russland...

Die Vorstellung der deutschen Nationalmannschaft gegen Mexiko muss intern schonungslos und in aller Härte analysiert werden. Sonst ist das Turnier für uns in wenigen Tagen vorbei, bevor es richtig angefangen hat. Das kann weh tun, ist aber zwingend notwendig.

Ich habe selten so viele einfache Ballverluste und vor allem so ein schlechtes Spiel nach den Ballverlusten gesehen. Wir haben extrem viele Chancen zugelassen gegen einen an diesem Tag sehr gut spielenden Gegner, der aber nicht zur absoluten Weltspitze gehört.

Und die Reaktion von Mats Hummels nach dem Abpfiff zeigt: Es rumort schon länger im Team. Intern stimmt etwas nicht. Das sind für mich klare Alarmsignale. Seine Aussagen waren deutlich, dass er schon länger gewisse Dinge anspricht, sich aber nichts geändert hat. In den Länderspielen gegen stärkere Teams wie Brasilien oder Spanien lief es nicht rund, in den Tests gegen schwächere Gegner wie Österreich oder sogar Saudi-Arabien noch schlechter. Das Mexiko-Spiel ist eine Fortsetzung davon.

Klar sind die Mannschaften noch motivierter als sonst, wenn es gegen den amtierenden Weltmeister geht und werfen sich zu 120% rein. Das allein reicht mir aber nicht. Unserem Team fehlt es momentan an den Basics. Zweikämpfe, Organisation, Struktur. Wir können das nicht alles plötzlich verlernt haben, daher ist es vielmehr eine Einstellungssache.

Es mag ein Fingerzeig sein, dass bei den letzten vier Weltmeisterschaften der Titelverteidiger dreimal in der Vorrunde scheiterte und es nicht von selbst geht. Gegen keinen Gegner der Welt. Bei uns standen acht Weltmeister von 2014 in der Startelf. Vielleicht fehlt es tatsächlich an ein paar Prozenten, vielleicht ist die letzte Gier nicht mehr da. Die Spieler müssen jetzt intern mit aller Härte alles ansprechen. Das wird dem einen oder anderen weh tun und hat womöglich auch personelle Entscheidungen des Bundestrainers zur Folge. Der ist erfahren genug, um richtig zu handeln. Manchmal sind es nur ein oder zwei Veränderungen, die eine Wende auslösen können.

Wir haben genug Alternativen im Kader. Ob Draxler, Özil oder Reus? Das ist alles letztendlich egal und nicht die Frage der einzelnen Fähigkeiten und Stärken. Stark genug ist jeder Spieler in unserem Kader. Wenn die Einstellung nicht zu Hundertprozent stimmt, wird es auch gegen Schweden und Südkorea schwer. Ich bin auf die Reaktion am Samstag gespannt und hoffe, dass die WM für uns danach noch weitergeht...