Ballack: Die meisten Teams spielen nur noch defensiv

betfairs-Markenbotschafter über die Torflaute in der Bundesliga, Defensivarbeit der Stürmer und fehlende Identifikation in Wolfsburg

Nur 14 Tore in neun Bundesliga-Spielen - das hat es schon lange nicht mehr gegeben. Für mich ist es aber auch kein Zufall. Denn schon seit längerer Zeit gibt es einen Trend zu beobachten. Der lautet:  Die Vorsicht überwiegt. Hinten sicher stehen und dann auf Konter hoffen. Kreativspieler oder Stürmer werden so geschult erstmal ihre defensiven Aufgaben zu erfüllen. Das ist einfacher als komplexere Spielzüge einzustudieren. Und einige Teams sind damit auch erfolgreich. Ob es schön oder attraktiv ist, steht auf einem anderen Blatt. Letztendlich sind auch immer weniger Teams dazu in der Lage. Geringes Selbstbewusstsein und fehlende Qualität spielen ebenfalls eine Schlüsselrolle. Und natürlich der Druck Punkten zu müssen.  

Früher war dies vor allem das Motto von Mannschaften, die tief im Abstiegskampf steckten und wo nach einem Trainerwechsel erstmal hinten alles dichtgemacht wurde. Mittlerweile haben aber längst auch Teams aus besseren Tabellenregionen eine ähnliche Spielweise angenommen. Das Schneckenrennen hinter den Bayern verdeutlicht das auch. Hier kann sich keiner der fünf bis sechs Mannschaften absetzen. Sehr schwankende Leistungen und Resultate zeichnen den BVB, Leipzig, Frankfurt oder Leverkusen aus. Wenn die Ergebnisse kommen, relativiert sich jede Spielweise natürlich.

Auf den Abstiegskampf in der Bundesliga bezogen, gefällt mir daher Werder Bremen am Besten, die ihre eigene Spielweise durchziehen und versuchen Akzente zu setzen. Das ist im Nordderby gegen den HSV nicht oft gelungen, aber auf lange Sicht führt es zum Erfolg und zum Klassenerhalt. Darauf lege ich mich fest. Dagegen sieht man beim HSV nach wie vor nicht einen gescheiten Ansatz. Nur gut zu stehen und zu kämpfen reicht nicht aus. Viele sehen jetzt im Heimspiel gegen Mainz nochmal eine allerletzte Chance. Mir fehlt leider der Glaube daran. Der HSV ist momentan das schwächste Team in der Liga. Köln als Tabellen-Letzter hat eine positivere Entwicklung und ist Fünfter in der Rückrunden-Tabelle. Mainz gelingt hin und wieder ein Erfolgserlebnis und Wolfsburg hat individuell den Vorteil einfach zu starke Spieler in den Reihen zu haben.

Hier hakt es an etwas anderem, nämlich der fehlenden Identifikation mit dem Verein. Es ist in den letzten Jahren nicht gelungen, ein Team zu entwickeln, dass sich für den Club zerreißt. Das ist aber ganz wichtig, um Ziele zu erreichen und in kritischen Phasen das letzte Hemd zu geben. Ich bin gespannt, ob Bruno Labbadia darauf positiven Einfluss haben wird.

Meine Tipps für den nächsten Spieltag: 

Mönchengladbach - Werder 2:2
Augsburg - Hoffenheim 2:1
Frankfurt - Hannover 2:1
HSV - Mainz 1:1
Schalke - Hertha 2:0
Wolfsburg - Leverkusen 1:1
Leipzig - BVB 2:2
Köln - Stuttgart 2:1
Freiburg - Bayern 0:2