Schafft Funkel ausgerechnet gegen seine alte Eintracht den ersten Sieg?
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/ Benjamin Heidlberger / 28 November 2009 / Kommentar schreiben

Fangen wir mit den guten Nachrichten an: Am vergangenen Spieltag hat Tabellenschlusslicht Hertha BSC erstmals in dieser Saison auswärts einen Punkt geholt. Zudem stoppte der kolumbianische Neuzugang Adrian Ramos beim 1:1-Unentschieden in Stuttgart die 490 Minuten währende Torflaute der Berliner. Aber nun muss endlich der erste Bundesliga-Sieg in der Ära Funkel her, um die Berliner Schritt für Schritt aus dem Keller zu führen. Ich verrate hier, ob dies gelingen wird.
Die schlechten Nachricht: Hertha BSC präsentierte sich auch in Stuttgart über weite Strecken leidenschafts- und konzeptlos. So konnte die Funkel-Elf zur Pause froh sein, im Einbahnstraßenfußball Richtung Hertha-Tor nicht schon hoffnungslos in Rückstand geraten zu sein. Doch den VfB-Akteuren, die eine Vielzahl an Großchancen und 14:1 Ecken verzeichneten, fehlte das nötige Zielwasser. Bleibt also festzuhalten: Berlins Abstand zum „rettenden Ufer" wächst trotz Punktgewinn beim VfB Stuttgart. Dieser war höchstens ein Punkt für die Moral. In der Bundesliga-Tabelle hat sich die Situation für Hertha BSC schließlich nicht verbessert. Im Gegenteil: Durch die Überraschungssiege des 1. FC Nürnberg in Wolfsburg (2:3) und des VfL Bochum in Hamburg (0:1) ist der Rückstand der Blau-Weißen auf einen Nicht-Abstiegsplatz um sieben Zähler angewachsen. Folglich steht der Vorjahresvierte im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt vor einem echten Endspiel, zumal die noch ausstehenden Hinrunden-Termine FC Schalke 04, Bayer 04 Leverkusen und FC Bayern München lauten. Das Ziel ist entsprechend klar formuliert: Ein Sieg muss her, egal wie!
Bei Eintracht Frankfurt (11.) droht sich nach der dritten Pleite in den letzten vier Pflichtspielen die Zwietracht zu verschärfen. Man müsse „den Blick nach unten richten", sagte der völlig konsternierte Eintracht-Vereinsboss Heribert Bruchhagen nach der bitteren 1:2-Heimschlappe gegen Borussia Mönchengladbach. Frankfurt-Coach Michael Skibbe hingegen bewertet die Situation völlig anders und will von Abstiegskampf nichts wissen. Konträr zu Bruchhagen gab er an, eine „kämpferische Leistung" seiner Mannschaft gesehen zu haben, auf der sich aufbauen lässt. Bereits vor knapp drei Wochen waren beide aneinander geraten, nachdem Skibbe in einem verbalen Rundumschlag eine „Qualitätsverbesserung in allen Bereichen" gefordert hatte. Die Lage ist also angespannt - nun steht auch noch das Duell mit Ex-Frankfurt-Trainer Funkel an. Bei einer Niederlage gegen Hertha BSC droht in Frankfurt weiteres Ungemach. Denn im Gegensatz zu Funkel, der von Bruchhagen stets die volle Rückendeckung besaß, schwelt zwischen Skibbe und Vorstandsboss Bruchhagen ohnehin ein (latenter) Konflikt.
Kader / wer fehlt?
Mittelfeldspieler Raffael wird nach seiner Gelbsperre wieder im Kader stehen. Auch Kacar hat sich nach guten Trainingseindrücken für die Startformation empfohlen. Dagegen muss Hertha-Coach Funkel aller Voraussicht nach auf Ebert verzichten, dessen grippaler Infekt noch keinen Einsatz zulässt. Ein Fragezeichen steht zudem noch hinter Angreifer Ramos, der sich eine Bänderverletzung im Sprunggelenk zugezogen hat und zuletzt kaum trainieren konnte. Ein Funken Resthoffnung besteht allerdings.
Bei den Gästen aus Frankfurt scheint sich die Personalsituation zumindest etwas zu entspannen. So stoßen Schwegler, Liberopoulos und Korkmaz zum Kader. Amanatidis und Fenin fehlen weiterhin verletzungsbedingt.
Das Spiel:
Ich denke, dass beide Teams im Bewusstsein der Wichtigkeit dieser Partie sehr konzentriert und aggressiv an die Aufgabe herangehen werden. Hertha BSC steht enorm unter Zugzwang und muss vor heimischer Kulisse Akzente setzen. Eintracht Frankfurt wird sich vermutlich aufs Kontern beschränken.
Fazit:
Schafft Hertha BSC die sportliche Wende oder stoppt Eintracht Frankfurt den Abwärtstrend und stabilisiert sich im Tabellen-Mittelfeld? Das heutige „Sechs-Punkte-Spiel" wird für beide Teams ein echter Charaktertest. Fakt ist: Wenn man schon keine große Qualität verpflichten kann (was wohl auf beide Vereine zutrifft), muss man wenigstens über Spieler verfügen, die 90 Minuten lang alles geben. Hertha hat bereits gegen Mannschaften verloren, mit denen man eigentlich auf Augenhöhe konkurrieren wollte. Spielerische Glanzpunkte wurden jedoch selten gesetzt, was natürlich auch daran liegt, dass jene spielerische Substanz aus der Vorsaison (Voronin, Pantelic, Simunic) fehlt. Allerdings ließen die Berliner auch jeglichen Kampfgeist vermissen. Anspruch und Wirklichkeit klaffen bei Berlins Bundesligist weit auseinander. Wer nach 13 Spieltagen nur einen Sieg bilanziert, der wird vermutlich auch absteigen. Die Tatsache, dass Hertha BSC zum Siegen verdammt ist, wird meiner Meinung nach auch nicht beflügelnd wirken. Ich denke eher, die Berliner werden verkrampft auftreten und das Potenzial nicht vollends abrufen können. Während in meinen Augen beim Gastgeber Hopfen und Malz verloren ist, hat Eintracht Frankfurt schon gezeigt, dass auch Überraschungssiege gegen höher eingeschätzte Teams möglich sind. Die Mannschaft „lebt" und ist in den entscheidenden „Alles-oder-nichts-Spielen" fast immer auf der Höhe. Daher wird sich Hertha noch gedulden, weiterhin auf einen Sieg warten und auf Verstärkungen (Voronin, Dejagah) in der Winterpause hoffen müssen. Gegen Eintracht Frankfurt ist höchstens ein Remis drin.
Meine Wett-Empfehlung:
Ich wette gegen einen Sieg von Hertha BSC, bei Lay-Quoten um 2.2.