Welcher Verdasco spielt denn jetzt?
Tennis
/ Klaus Schepers / 31 März 2009 / Kommentar schreiben Wettbonus
Auch in der oberen Hälte werden am Dienstag die Achtelfinals ausgespielt. Neben Rafael Nadal und Andy Murray, die als klare Favoriten ins Match gehen, gibt es auch zwei interessante Duelle, bei denen die Außenseiter gute Chancen auf einen Sieg haben. Bei einem Spiel wird erst nach Spielende feststehen, wer da überhaupt aufgelaufen ist der alte oder neue Verdasco?
Andy Murray vs. Viktor Troicki
So richtig drin ist der Schotte noch nicht in diesem Turnier. In seinem ersten Spiel verlor er den ersten Satz gegen Juan Monaco. Der soll da zwar gutes Tennis gespielt haben, war in den letzten Monaten aber auch nur ein Schatten seiner selbst. Und auch in der dritten Runde war's ein zähes Unterfangen gegen Nicolas Massu und das klare Ergebnis (6:4, 6:4) täuscht ein wenig darüber hinweg, wie schwer sich Murray da doch getan hat. Was vor allem auffiel gegen Massu: Der Schotte wendet die Federer-Taktik inzwischen auch gegen Gegner an, die er eigentlich mit seinen starken Grundschlägen ausspielen könnte. Er spielt die Bälle hauptsächlich zurück ins Spiel und wartet auf den Fehler des Gegners. Nicht schön anzuschauen, der Erfolg gibt ihm (noch) recht. Auch wenn er bei diesen Abwart-Aktionen nicht mehr so weit hinter der Grundlinie steht wie früher, gegen Gegner mit einer wuchtigen Vorhand dürfte der Schotte mit dieser Taktik so seine Probleme bekommen. Viktor Troicki sollte allerdings gut in diesen Game Plan passen, denn der Serbe war bisher nicht bekannt als besonders grundlinienstarker Spieler. Aber immerhin, Troicki wird mit dem Achtelfinaleinzug erstmals den Sprung in die TOP 40 schaffen. Und das beste Masters-Ergebnis seiner Karriere feiern. Zu mehr wird's dann wahrscheinlich nicht reichen. Die 1,09 jedenfalls ist 1-2 Ticks zu hoch.
Juan Martin del Potro vs. David Ferrer
Die Formkurven der beiden zeigen in unterschiedliche Richtungen. Die von Juan Martin del Potro eher nach unten, die von David Ferrer eher nach oben. Der große Abstand zwischen den beiden ist in den letzten Wochen kleiner geworden. Auch wenn der Argentinier hier noch als deutlicher Favorit ins Rennen gehen muss, die Quotierung darf längst nicht mehr so sein, wie sie noch vor acht Wochen oder zu Ende der Saison 2008 gewesen wäre. Zwar hat del Potro auch in den letzten Wochen noch gute Resultate gezeigt, mehr als das Viertelfinale war allerdings nicht mehr drin. Gegen wirklich starke Gegner wie Nadal oder Federer ist er förmlich eingegangen. Aber auch gegen Spieler im Bereich von Platz 15 bis 20 wie Mardy Fish oder Radek Stepanek verlor der Argentinier zuletzt. Und genau diesen Gegner bekommt er jetzt im Achtelfinale von Miami. Und eine Überraschung ist hier durchaus im Bereich des Möglichen. Das letzte Mal, dass del Potro einen ähnlich starken Spieler schlagen konnte wie Ferrer, das war vor über acht Wochen, im Achtelfinale von Melbourne: Marin Cilic. Den konnte Ferrer hier in der Runde zuvor besiegen. Gegen die richtig guten Leute tut sich der Argentinier sehr schwer und nach der Davis Cup-Absage konnte man in der Presse auch nachdenkliches hören vom Argentinier: „Ich brauche Zeit zum nachdenken", sagte er da. Auch wenn das vielleicht nur eine Ausrede war, um nicht Davis Cup spielen zu müssen, weil nach der Niederlage im Davis-Cup-Finale 08 die Fetzen flogen: das klingt nicht allzu optimistisch. David Ferrer zeigte dagegen mit dem Finaleinzug in Dubai, dass er langsam zumindest wieder halbwegs zu alter Stärke zurückfindet. Ob's für den Argentinier reicht, bleibt abzuwarten. Die Quote von 2,50 allerdings „looks huge", wie der Brite sagen würde.
Rafael Nadal vs. Stanislas Wawrinka
Der Spanier hat sich in den ersten beiden Runden nicht ganz so stark gezeigt wie in Indian Wells. Das heißt aber gar nichts. Denn richtig gefordert wurde er nicht, und Nadal wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben. Wenn Wawrinka hier eine Chance haben will, muss er viel Risiko gehen, gute „approach shots" spielen und auf seine starke Rückhand vertrauen, die ihm auch den Sieg im harten Fight mit Igor Andreev gebracht hat. Eine wirkliche Chance dürfte der Schweizer aber nur haben, wenn Nadal nicht seinen besten Tag erwischt und bei ihm alles passt. Die Quotierung von 1,07 ist ungefähr richtig.
Fernando Verdasco vs. Radek Stepanek
Der alte Verdasco oder der Neue? Diese Frage ist die entscheidende im Spiel gegen Radek Stepanek. Der alte Verdasco verlor gegen den Tschechen in Brisbane, obwohl er den ersten Satz gewinnen konnte. Der neue Verdasco dagegen besiegte Stepanek bei den Australian Open eindrucksvoll 6:4, 6:0, 6:0. Auch wenn der Tscheche da nur noch wenig zuzusetzen hatte, das war beeindruckend. Und der darauffolgende Weg des Spaniers ins Halbfinale gegen Nadal, mit der besten Leistung seiner Karriere, war es umso mehr. Verdasco hat danach erst einmal eine lange Pause gemacht bis zum Masters von Indian Wells. Sehr vernünftig. Dort unterlag er auch erst im Viertelfinale gegen Roger Federer. Auch gegen den darf man verlieren. Seine Performance in der dritten Runde gegen Feliciano Lopez war aber alles andere als stark. Das war wieder der alte Verdasco, der zwar TOP 20-Niveau hat, aber gegen richtig gute Leute seine wichtigen Schläge doch nicht trifft. Das kann nun daran liegen, dass er gegen seinen besten Freund (Lopez) spielen musste, oder daran, dass ein Masters Event eben doch kein Grand Slam-Turnier ist. Und ein gutes Turnier macht eben noch keinen TOP10-Spieler. Zwar ist der Spanier inzwischen in die TOP 10 vorgedrungen, seine Quotierung aber ist deutlich, sehr deutlich, zu tief angesetzt. Das kann man auch schön an den beiden bisherigen Spielen in diesem Jahr und den Quoten sehen (Quelle: OnCourt)
Brisbane: Verdasco 1,65 - Stepanek 2,43
Melbourne: Verdasco 1,74 - Stepanek 2,25
Die Quotierung bei dieser Ansetzung: 1,56 - 2,76
Nun muss man bei der Quotierung dieser Ansetzung noch einen kleinen Teil abziehen, weil bei OnCourt andere Statistiken drin sind, die keinen genauen 100-Prozent-Buchwert haben. Trotzdem: Man kann hier schön erkennen, dass das „Rating" von Verdasco doch deutlich gestiegen ist nach der sensationellen Leistung in Melbourne. Das kann man nun für gerechtfertigt halten oder nicht. Ich für meinen Teil werde hier auf den Tschechen gehen, denn er hat auf mich gegen Gonzalez einen guten Eindruck hinterlassen. Und auch wenn er in der zweiten Runde mit Bobby Reynolds, einem eher durchschnittlichen Spieler Probleme hatte: Ich würde das Spieler eher so quotieren wie in Brisbane. Wenn nicht sogar noch ein wenig mehr Richtung „Pro Stepanek".
