Spiel, Satz und Sieg! Der Rückblick auf das Tennisjahr (4)
Tennis
/ Klaus Schepers / 30 Dezember 2011 / Kommentar schreiben Wettbonus

Wer in diesem Jahr auf Nikolay Davydenko gesetzt hat, der schaut jetzt wahrscheinlich ungefähr so, wie der Russe auf diesem Bild.
Überraschung oder Enttäuschung - entscheidend dafür sind vor allem die Erwartungen. Deshalb kann die folgende Liste nur meine persönliche Einschätzung sein. Erwartungen sind aber auch das, was beim Wetten eine besondere Rolle spielt. Deshalb erfolgt die Rangfolge meiner Vorauswahl nach einer Kennzahl, die genau beschreibt, wer die Erwartungen übertroffen hat, zumindest in der Welt der Sportwetter: dem Return on investment (ROI). Oder im heutigen Fall: dem ausbleibenden Return.
Anti-Gold: Nikolay Davydenko - Weltrangliste 22 --> 41 ROI: -23,4 Prozent
Schon im vergangenen Jahr zählte der Russe zu den Absteigern, damals wurde er vom fünften Rang auf Platz 22 durchgereicht. Auch in diesem Jahr lief es alles andere als gut. Eigentlich gab es nur einen kleinen Höhepunkt: Den Turniersieg in München. Ansonsten spielte Davydenko genau so, wie man das von einem Spieler auf Platz 41 der Welt erwarten kann. Und auch die ständigen körperlichen Blessuren können keine wirkliche Ausrede sein, das waren zumeist eher Kleinigkeiten.
Prognose: Hat er noch genug Motivation, um sich wieder nach oben zu spielen? Ich bin skeptisch, oft wirkte er in diesem Jahr antriebslos. Wenn der Russe als klarer Favorit in ein Spiel geht, sollte man ihn auf jeden Fall layen. Gegen die großen der Zunft kann er sich vielleicht noch mal pushen.
Anti-Silber: Mikhail Youzhny 10 --> 35 ROI: -20,2 Prozent
Auch den zweiten Platz belegt ein Russe. In der Weltrangliste ist er noch krasser eingebrochen als sein Landsmann. So richtig schlecht war Youzhny in diesem Jahr nie, aber es fehlen auch die absoluten Topergebnisse, und so wird aus einem TOP10-Platz schnell wieder ein Platz außerhalb der Setzlisten für Grand Slam-Turniere.
Prognose: Ich erwarte hier eine Gegenbewegung. So schlecht war Youzhny in der vergangenen Saison gar nicht. Für mich hat er Top20-Potential, und er wird es in 2012 auch wieder zeigen.
Anti-Bronze: Sam Querrey 18 --> 93 ROI: -16,3 Prozent
Kein anderer Spieler dieser Liste ist so stark eingebrochen wie der US-Amerikaner. Auf Sand war er nie gut, wenn dann auch noch auf Hardcourt die sonst so guten Leistungen ausbleiben, dann wird es schwer für einen Mann wie Querrey. Zum Jahresende musste (und wollte) er sogar auf der Challenger-Tour spielen. Vielleicht war das keine schlechte Idee, denn hier gewann er viele Spiele und konnte eventuell neues Selbstvertrauen für 2012 sammeln.
Prognose: Eigentlich kann es nur nach oben gehen für Querrey. Für einen Platz außerhalb der Top 100 ist er eigentlich zu stark, Verletzungssorgen hat er keine. Bis Mitte Februar hat er keine Punkte zu verteidigen, langfristig sollte er sich zumindest wieder in die TOP 50 spielen.
Platz 4: David Nalbandian 27 --> 64 ROI: -12,4 Prozent
Seit Jahren schon quält den Argentinier sein Körper. Ständig muss er sich Auszeiten nehmen, es gibt wohl kaum ein Körperteil, das er sich noch nicht verletzt hat. Das große Problem ist da gar nicht mal primär, dass er dauernd Turniere verpasst und keine Punkte sammeln kann, sondern vielmehr, dass er überhaupt keinen Rhythmus mehr finden kann. Und ein Spieler mit seinem Vermögen hat immer auch den Anspruch in den TOP 10 zu stehen. Das ist so natürlich nicht möglich.
Prognose: Ich bin wirklich skeptisch und es ist sehr schade, dass ein Spieler mit seinem Talent, mit seinem Händchen, bereits in den späten 20ern so aus der Bahn geworfen wird von seinem Körper. Ich glaube aber nicht, dass er nochmal ernsthaft zurückkommt. Vor zwei Wochen hat er die Teilnahme an einem Turnier in der Heimat wegen Knieproblemen auch schon wieder abgesagt. Vielleicht kann er bei einem Grand Slam-Turnier nochmal richtig aufblitzen, langfristig aber wird das wohl nichts mehr für ihn.
Platz 5: Andy Roddick 8 --> 14 ROI: -9,6 Prozent
Auch der US-Amerikaner wird nicht jünger. Zwar ist er auch erst 29 Jahre alt, aber in den letzten zwölf Monaten konnte man schon sehen, was ihm zunehemnd fehlt: Power. Er hat immer noch einen hervorragenden Aufschlag und dank des Gewichtsverlusts vor einigen Jahren hat er noch einmal einen Schub bekommen in seinem Grundlinienspiel. Aber gegen die richtig guten Leute reicht das nicht mehr, denn er kann sie nicht mehr ausspielen mit seiner druckvollen Vorhand. Die wirklich guten Leute brauchen von der Grundlinie keine Angst gegen ihn zu haben.
Prognose: Es wird sehr schwer für ihn, noch einmal in die TOP 10 zurückzukehren. Das einzige, was dafür spricht, ist sein großer Wille und die Liebe zum Tennissport.
Platz 6: Ernests Gulbis 24 --> 61 ROI: -9,3 Prozent
Wenn der Begriff "Wundertüte" auf einen Spieler zutrifft, dann auf ihn. In der einen Woche schlägt er die besten der Welt, dann wieder verliert er gegen Spieler außerhalb der Top 100. Ein wenig erinnert er an Marat Safin. Nur, dass Gulbis bisher weit weniger aus seinen Möglichkeiten gemacht hat. In diesem Jahr ist er wieder weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben.
Prognose: Unmöglich.
Platz 7: Marin Cilic 14 --> 21 ROI: -3 Prozent
So schlecht war der Kroate eigentlich nicht in diesem Jahr. Aber ich habe mir persönlich von ihm viel mehr erhofft als er zeigen konnte. Vom spielerischen Vermögen her hat er so viel drauf, wie er Andy Murray 2009 bei den US Open vom Platz fegte, war sehr beeindruckend. Daran konnte er auch 2010 mit dem Halbfinaleinzug bei den Australian Open anknüpfen, seitdem ist das aber kein TOP 10-Tennis mehr vom Kroaten.
Prognose: Leichte Aufwärtstendenz, Platz 12-15.
Platz 8: Robin Söderling 5 --> 13 ROI: +1,9 Prozent
Oha, ein Spieler mit positivem ROI auf der Liste der Enttäuschungen! Nun könnte man glauben, dass Robin Söderling nicht auf diese Liste gehört, ich mich womöglich getäuscht habe hier. Doch dem ist nicht so. Der positive ROI kommt ganz einfach dadurch zustande, dass der Schwede seit Juli kein Spiel mehr bestritten hat auf der Tour. Das ganze Jahr bereitete ihm sein Körper schon Probleme, die zweite Jahreshälfte machte ihm dann das Pfeiffersche Drüsenfieber zu schaffen.
Prognose: Seine Teilnahme an den Australian Open hat er schon abgesagt, das Comeback wird sicherlich alles andere als einfach, nachdem der Körper so geschwächt wurde.