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Weltmeisterschaft

Eine Gummiwand als Favoritenschreck

Tennis RSS / Klaus Schepers / 22 März 2009 / Kommentar schreiben Wettbonus

Im Finale des Masters Series Event von Indian Wells stehen sich Rafael Nadal und Andy Murray gegenüber. Der Spanier geht als Favorit ins Rennen, schließlich ist er die Nummer 1 der Welt und Gewinner der Australian Open. Trotz der großen Erfolge des Spaniers und einer physischen Präsenz auf dem Platz, die ihres gleichen sucht: Andy Murray hat hier mindestens eine fünfzigprozentige Chance.

Rafael Nadal vs. Andy Murray

Man könnte ihn auch die Gummiwand nennen. Im Halbfinale gegen Roger Federer hat diese Gummiwand ihre größte Fähigkeit unter Beweis gestellt: Ihre robuste Sturheit, die gleichzeitig von einer unheimlichen Beweglichkeit gekennzeichnet ist. Achtzig, wenn nicht sogar neunzig Prozent der Bälle hat die Gummiwand in Federers Rückhand gespielt, auf den entscheidenden Moment gewartet, in der Federer umgesprungen ist auf seine Vorhand. Danach hat die Gummiwand sich in Sekundenbruchteilen gewandelt und ihr Counterpuncher-Spiel gezeigt, wenn die Vorhandpeitsche Federers einzuschlagen drohte. Insbesondere mit der Rückhand sind daraus sensationelle Passierschläge entstanden.

Natürlich sind auch einige Vorhände Federers eingeschlagen. Doch die Gummiwand weiß genau, dass sie langfristig vorne liegen muss, weil Federer eben nicht jede Vorhand treffen kann. Oder erschon vorher einen Fehler mit der (zumindest gestern) unkonstanten Rückhand gemacht hat. Warum das alles so wichtig ist? Weil die Gummiwand diese Fähigkeiten auch heute wieder braucht, allerdings in einem deutlich anderen Match-Up. Die Gummiwand möchte ihren richtigen Namen übrigens nicht lesen in diesem Post, hat Andy Murray mir ausrichten lassen.

Rafael Nadal dürfte diese Gummiwand deutlich weniger ausmachen als dem Schweizer, denn der Spanier ist selbst ein Verteidigungskünstler. Trotzdem, Nadal hat gestern in seinem Spiel gegen Roddick doch erstaunlich viele Fehler mit seiner Vorhand produziert und im gesamten Spiel nur fünf Punkte mehr gemacht als Roddick. Und auch schon vorher in der Woche wäre er fast gegen Nalbandian gestrauchelt. Zudem ist sein Aufschlag zwar variabler als der von Murray, allerdings längst nicht so schnell und explosiv, was dazu führen wird, dass Murray mehr freie Punkte bekommen dürfte, als der Spanier.

Entscheidend wird in diesem Spiel sein, dass der Schotte nicht zu defensiv wird. Die Bedingung zum Sieg ist also gleichzeitig die größte Gefahr für Murray, wenn er's mit dem Defensivspiel übetreibt. Doch Murray hat seit dem US Open-Finale einen riesengroßen Schritt gemacht in seinem Spiel. Er ist nicht mit dem Murray zu vergleichen, der sich bei schlechten Punkten laut aufregt, vielmehr hat er psychisch inzwischen fast zu den großen Zwei aufegeschlossen. Wenn man etwas hört, dann ist das meist ein "Come on!".

Eine interessante Statistik ist Murrays Bilanz gegen die Großen Zwei zuletzt. Die Bilanz gegen Federer und Nadal in den letzten neun Monaten: Die letzten fünf Spiele gegen Federer gewonnen, die letzten drei Duelle auch gegen Nadal, alle auf Hardcourt. Seit den US Open hat der Schotte gegen die Großen Zwei eine 8:1-Bilanz. Auch ohne zu suchen, so eine Bilanz wird kein anderer Spieler auf der Tour erzielt haben. Und sie zeigt, dass Murray auf Hardcourt durchaus der stärkste Spieler ist im Moment. Wenn die Tour nur aus Federer, Nadal und Murray bestehen würde. Aber da sind eben noch einige andere, und gegen die verliert der Schotte eher mal als die Großen Zwei (siehe Verdasco in Melbourne).

Nichtsdestotrotz: Murray hat in diesem Jahr eine Bilanz von 23:1 (wenn man das Exhibition Event in Abu Dhabi mitzählt). Da können weder Nadal und Federer mithalten. Und es ist kein Zufall, dass die einzige Niederlage eben gegen Verdasco war, und nicht gegen Federer oder Nadal. Denn gegen die beiden hat er in dieser Saison schon fünf mal gewonnen.

Der beste Beweis, dass Murray inzwischen von seinem Spiel überzeugt ist und den Rechtfertigungston verlassen hat, sind seine Kommentare nach dem Spiel gegen Federer.

Eine Gefahr für den Schotten könnte der Wind werden, der heute morgen durch Indian Wells bläst und der wahrscheinlich auch noch am Nachmittag eine Rolle spielt. Dann muss die robuste Gummiwand über sich hinaus wachsen, denn die Topspin-Bälle von Nadal werden so noch unberechenbarer.

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