Schwere Aufgabe für die deutsche Tennishoffnung
Tennis
/ Klaus Schepers / 25 April 2009 / Kommentar schreiben
Nach ihrem Turniersieg in Charleston ist Sabine Lisicki mit viel Selbstvertrauen zum deutschen Fed-Cup-Team gestoßen. Nach ihren jüngsten Erfolgen (z.B. über Venus Williams) ist sie nun auch gegen die Chinesin Jie Zheng (Samstag, 12 Uhr) favorisiert.
Es ist ein Phänomen, das im Tennissport sehr häufig vorkommt: Eine Spielerin oder ein Spieler gewinnt in einer frühen Runde gegen einen deutlichen Favoriten, spielt gutes Tennis und überzeugt. Natürlich haben diese Akteure auch in den folgenden Runden gute Chancen, an ihre gute Leistung anzuknüpfen. Was im Wettmarkt mit solchen Spielerinnen aber oft auffällt: die Quotenanpassungen fallen oftmals viel zu hoch aus - eine Art Überreaktion "on beating a better player", wie ich es schon in anderen Artikel häufig genannt habe.
Dieses Phänomen kann man nun auch bei Sabine Lisicki beobachten, zweifelsohne eine der großen Hoffnungen auf der WTA-Tour. In diesem Fall ist diese Überreaktion aber nicht innerhalb des Turniers von Charleston zu beobachten gewesen (nach dem überzeugenden Sieg gegen Venus Williams), sondern fällt vielmehr vor dem Spiel im Federations Cup gegen China auf. Dort hat die Berlinerin eine schwere Auftaktpartie für das deutsche Team gegen Jie Zheng zu bestreiten - und geht trotzdem erneut als deutliche Favoritin ins Spiel.
Die Spielerinnen
Jie Zheng ist immerhin die Nummer 16 der Weltrangliste. Das sollte man sich zunächst einmal vor Augen führen, wenn man die Ansetzung hier betrachtet. Starke Leistungen zeigte sie in den letzten zwölf Monaten vor allem bei den großen Events. So erreichte sie letztes Jahr das Halbfinale in Wimbledon und in diesem Jahr das Achtelfinale in Melbourne bei den Australian Open. Immerhin konnte sie auf Sand auch bei den French Open die dritte Runde erreichen (und das als Qualifikantin, weil sie wegen einer langen Pause im Jahr 2007 in der Weltrangliste weit zurückgefallen war).
Jahresbilanz: 11-6
Zu Sabine Lisicki gab es in diesem Blog ja bereits in der letzten Woche zwei Beiträge, die vor allem ihren exorbitant starken Aufschlag und die sensationell guten Grundschläge beschrieben haben. Durch die Leistungen der letzten Woche hat sich die Berlinerin um 20 Plätze auf eine "career-best position" gespielt - Platz 43 in der Welt. In puncto Selbstvertrauen dürfte sie der Chinesin um einiges voraus sein, denn die hat zuletzt vor vier Wochen in Miami gespielt (wo sie äußerst knapp an Venus Williams scheiterte).
Jahresbilanz: 12-5
Der Belag
Auch wenn der Bodenbelag bei den Damen längst nicht so bedeutend ist wie bei den Herren, der Wechsel auf den roten Aschebelag von Frankfurt dürfte beiden Damen nicht gelegen kommen. An den Bilanzen beider Spielerinnen lässt sich ablesen, dass der langsame Sand nicht zu den bevorzugten Bodenbelägen gehört. Was man vor allem nicht vergessen sollte: Sabine Lisicki hat zwar letzte Woche in Charleston auf einem Sandbelag gewonnen - allerdings war das "green clay", und der ist doch deutlich schneller als der rote Belag von Frankfurt - auch wenn der bei gutem Wetter morgen in Frankfurt durchaus etwas an Geschwindigkeit gewinnen könnte. Mehr als die zweite Runde eines WTA-Turniers konnte Lisicki bisher auf dem langsamen Sandbelag nicht erreichen. Das überrascht nicht allzu sehr, wenn man ihre starken Grundschläge und den wuchtigen Aufschlag berücksichtigt. Allerdings sollte man diesen Faktor auch nicht überbewerten, denn zur Sandplatzsaison im letzten Jahr war auch ihr Ranking noch nicht allzu gut und sie musste häufig durch die Qualifikation gehen.
Der Heimfaktor
Das Spiel findet in Frankfurt statt - grundsätzlich natürlich ein großer Vorteil für die Deutsche. Nach jedem gewonnenen Punkt dürfte sich der Jubel für Lisicki beflügelnd auswirken. Auf der anderen Seite ist der Druck auf die Berlinerin natürlich gewachsen nach den guten Leistungen und ein früher Rückstand könnte die Deutsche in Bedrängnis bringen, zumal ihr Spiel sehr risikoreich ist und es bei ihr stark auf die Tagesform ankommt (was nicht unbedingt ein Nachteil sein muss).
Fazit
Für Lisicki spricht hier eindeutig die Form - wenn sie annähernd so spielt wie letzte Woche in Charleston, dann kann sie die Chinesin hier schnell vom Platz fegen. In Charleston lief es aber wirklich nahezu perfekt für die Berlinerin und es ist eher unwahrscheinlich, dass sie das in Frankfurt genau so wird abrufen können. Zumal der Belag doch deutlich langsamer sein dürfte als der grüne Sand in den Staaten. Wie stark sich der Heimvorteil auf diese Partie auswirkt, lässt sich schwer beurteilen. Die lockere und unbekümmerte Art sollte den Druck auf Lisicki jedenfalls nicht zu groß werden lassen. In Sachen Erfahrung dürfte die 25-jährige Jie Zheng aber einen deutlichen Vorsprung haben und die guten Ergebnisse bei Großereignissen zeigen, dass die Chinesin starke Leistungen auf den Punkt abrufen kann. Die bisherigen Vorstellungen in dieser Saison waren bei beiden Damen ähnlich gut, was man auch an den Jahresbilanzen sehen kann. Eine derart klare Favorisierung mit Quoten um 1.50 für Lisicki scheint hier allerdings nicht angebracht und biete eine gute Lay-Möglichkeit.