"Egal wie man die Sache dreht und wendet, der Top-Favorit ist noch immer Roger Federer." - Andy Roddick im Interview mit Betfair.
Tennis
/ Klaus Schepers / 26 Juni 2008 / Kommentar schreiben
Zweimal stand der Amerikaner Andy Roddick im Wimbledon-Finale - und verlor. Auf jeden Fall gehört er mit seinen Leistungen zum erweiterten Favoritenkreis. Im Interview mit Betfair vor dem Start in Wimbledon verrät Andy, wie er seine Chancen und die der Top-Konkurrenten in Wimbledon 2008 einschätzt.
Andy, Du hattest ziemliche Probleme mit der Schulter in den letzten Monaten. Geht es Dir mittlerweile wieder gut?
Ich fühle mich okay. Ich treffe die Bälle wieder besser.
Was denkst Du über ein 5 Satz-Match in Wimbledon? Reicht die Fitness für eine solche Belastung?
Ich denke schon. Ich habe in den letzten Wochen schon gute Fortschritte gemacht und bin optimistisch, dass ich fit sein werde.
Du hast das Vorbereitungsturnier in Queens schon vier Mal gewonnen. Ist ein Sieg in Queens vielleicht sogar wichtiger für Dich, als Deine Fitness in Wimbledon?
Ein Sieg in Queens schließt ja einen Sieg in Wimbledon nicht aus. Für mich ist es jetzt wichtig gesundheitlich in der Lage sein, ein gutes Turnier in Wimbledon zu spielen.
Wie läuft es bei Dir, seitdem Du Dich von Jimmy Connors getrennt hast und wieder von Deinem Bruder John trainiert wirst?
John war ja schon mein Coach, bevor ich mit Jimmy gearbeitet habe, also ist das keine so aufregende Geschichte. Insgesamt läuft es gut. Ich bin glücklich mit dem Lauf der Dinge zurzeit.
Mittlerweile bist Du ja schon ein sehr erfahrener Spieler. Was kann Dein Bruder Dir da noch mitgeben und wie viel ziehst Du aus Deinen eigenen Erfahrungen?
Ich ziehe eine Menge aus meinen eigenen Erfahrungen. Es ist ja keine Geheimwissenschaft zu erkennen, mit welchen Mitteln man ein Spiel gewinnen kann. Jimmy hat mir sehr geholfen, mein Selbstvertrauen wiederzufinden, als ich vor einigen Jahren in einer Krise war und nicht gut gespielt habe. Da hat er mich mit seiner enormen Erfahrung und Klasse wieder zurück in die Erfolgsspur gebracht. Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich selbst analysieren kann, wie ich das nächste Match gewinne.
War das der Grund für Eure Trennung?
Nein, er hat einfach gekündigt. Aber da gab es keine bitteren Gefühle. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir eines Tages wieder zusammen finden.
Du hast gesagt. Du wärst gerne einer der fünf Namen, die für einen Wimbledon-Sieg in diesem Jahr gehandelt werden. Wer außer Dir und den drei Top-Favoriten Federer, Nadal und Djokovic, wäre demnach Herausforderer Nr.5?
Puh, schwere Frage. Da gibt es ein paar Namen, die in Frage kommen. Andy Murray ist sehr gut auf Rasen und es würde wohl auch niemanden sonderlich schocken, wenn Lleyton Hewitt das Halbfinale erreichen würde. Und daneben gibt es noch eine ganze Reihe talentierter Jungs, die an einem guten Tag jeden Spieler schlagen können. Aber insgesamt denke ich, Murray und Hewitt haben das größte Potential.
Roger Federer hat Wimbledon zwar schon fünf Mal gewonnen, aber im Finale von Paris wurde er von Nadal deklassiert. Wird das nicht auch in Wimbledon in seinem Kopf herumspuken?
Das sind zwei grundverschiedene Dinge. Ein Finale auf Asche gegen Nadal ist nicht dasselbe wie ein Match auf Rasen. Das kann man nicht vergleichen. Es wird Roger ziemlich nerven, dass zurzeit viele Kritiker an ihm zweifeln. Er wird ihnen beweisen wollen, dass sie alle falsch liegen. Vielleicht hören die Leute nach einem sechsten Sieg von Roger in Wimbledon auf, seine Leistung zu hinterfragen. Wenn jemand wissen will, ob Roger dieses Jahr Wimbledon gewinnen kann, dann ist die eindeutige Antwort: Ja, er kann. Er hat fünf Mal in Folge gewonnen und ist auch gut genug für einen weiteren Sieg. Ich verstehe ja, dass die Medien etwas schreiben müssen, und jetzt über seine vermeintliche Schwächephase fabulieren. Aber Roger ist mental ziemlich stark. Er kann auch eine bittere Niederlage wie gegen Nadal gut verarbeiten und das Turnier gewinnen. Egal wie man die Sache dreht und wendet, der Top-Favorit ist noch immer Roger Federer.
Andy, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg in Wimbledon.
