Die fantastischen Vier im Kampf um die Krone
Tennis
/ Klaus Schepers / 05 September 2008 / Kommentar schreiben Wettbonus
Alle vier Halbfinalistinnen der US Open können die Weltranglistenspitze übernehmen
„Die Weltspitze rückt immer näher zusammen. Jeder kann hier inzwischen jeden schlagen." Das sind zwei Floskeln, die fast in jedem Tennismatch ihren Platz finden. Sei es, um die Spannung eines vermeintlichen Außenseiters gegen den großen Favoriten aufrechtzuerhalten, sei es, um irgendwie zu versuchen, die Gesamtsituation einzuordnen. Zweifelsohne, in den letzten Jahren sind die TOP 100 bei den Herren und die TOP 30 bei den Damen immer weiter zusammengerückt. Noch nie aber in der Open Era des Tennis, die in dieser Saison ihr vierzigjähriges Jubiläum feiert, war dieser Satz besser angebracht als vor den Halbfinalspielen der Damen. Denn alle vier Halbfinalistinnen können sich mit einem Turniersieg an die Spitze der Weltrangliste setzen. Ob dies dann von Dauer ist, bleibt abzuwarten. Die klare Dominanz einer Spielerin wird wahrscheinlich erst einmal der Vergangenheit angehören - im ersten Jahr nach dem Karriereende von Justine Henin.
Halbfinale #1: Elena Dementieva - Jelena Jankovic
Die Russin ist im Moment in bestechender Form. Ihre letzten 11 Spiele hat sie für sich entscheiden und dabei die Olympische Goldmedaille gewinnen können. Hier in New York ist sie noch ohne Satzverlust. Das liegt aber auch daran, dass sie eindeutig den einfachsten Weg ins Halbfinale hatte. In New York hat sie aber bisher häufig ihre besten Leistungen gezeigt. Bereits zum vierten Mal steht sie hier im Halbfinale. Jankovic dagegen wäre beinahe schon in Runde zwei ausgeschieden. Mit Ach und Krach gewann sie gegen die eher unbekannte Sofia Arvidsson mit 7:5 im dritten Satz. Doch danach folgten überzeugende Auftritte, unter anderem mit einem Sieg gegen die aufstrebende Dänin Caroline Wozniacki.
Halbfinale #2: Serena Williams - Dinara Safina
Die „kleine" Williams hat in ihrem Halbfinale gegen die „große" Williams gezeigt, dass sie im Moment nur ganz schwer zu schlagen ist - auch für eine Dinara Safina, die 20 ihrer letzten 21 Matches gewonnen hat und zuletzt die Turniere von Montreal und Los Angeles gewinnen konnte. Nur im olympischen Finale musste sie sich ihrer Landsfrau Elena Dementieva geschlagen geben, die jetzt eine der Konkurrentinnen um die Spitzenposition ist. Dazu muss sie aber zunächst Serena Williams besiegen, die von den vier verbliebenen den bisher stärksten Eindruck in New York hinterlassen hat.
Die Ausgangslage: Für drei reicht der US Open-Sieg definitiv für die Spitzenposition
Für den Gewinn der US Open bekommt die Siegerin 1000 Punkte, für das Finale 700 Punkte. Bei der Ausgangswertung sind drei der vier Halbfinalistinnen innerhalb dieser 300-Punkte-Differenz. Dementieva, Williams und Jankovic sind somit bei einem Turniersieg auch auf jeden Fall die neue Nummer Eins der Damenwelt. Nur Dinara Safina muss selbst bei einem Turniersieg noch darauf hoffen, dass Jankovic ihr Halbfinale gegen Serena Williams verliert - denn die Serbin hat in der bereinigten Rangliste, bei der nur noch die Punkte der US Open addiert werden müssen, 358 Punkte Vorsprung auf Safina. Vor Beginn des Turniers hatten sogar sieben Spieler die Chance auf die Spitzenposition. Langsam aber sicher verkleinert sich der Konjunktiv. Bis er sich nach dem Finale in die Umkleidekabinen zurückziehen wird.