Der Meister des Understatements
Tennis
/ Klaus Schepers / 17 Oktober 2008 / Kommentar schreiben Wettbonus
Wer auf den Franzosen Gael Monfils wettet, muss meist das ganze Spiel über zittern
Er sieht meist schon nach wenigen Aufschlagspielen aus, als würde er gleich auf dem Platz zusammenbrechen. Der Schweiß tropft wasserfallartig vom Kopf mit den kurzen schwarzen Haaren, bevor er returniert geht er in die Knie und schnauft tief durch. Wahrscheinlich will er damit zeigen, dass er sich richtig reinhängt und um jeden Punkt kämpft als wäre es der letzte Warum Gael Monfils das macht? Wahrscheinlich, um zu zeigen, wie sehr er sich reinhängt. In besonderem Maß kann man das immer wieder bei den French Open sehen, wo er sich auch regelmäßig auf sein Herz schlägt, wenn er gute Punkte gemacht hat. Dort hat er auch eine starke Fünfsatzbilanz von 5:0. Wirkliche Konditionsprobleme kann er also nicht haben - obwohl man das fast in jedem Spiel denken könnte.
Der Franzose bringt Leben in den trägen ATP-Zirkus
Welche Spielstärke der Franzose inzwischen hat, kann man allein schon an den Ergebnissen der letzten Monate sehen. Immerhin hat er das Halbfinale der French Open und das Achtelfinale der US Open erreicht. Er steht bereits wieder auf Platz 18 der Weltrangliste, und das trotz fünfmonatiger Pause. Bis März 2009 kann er nun Punkte sammeln, ohne auch nur einen einzigen verteidigen zu müssen. Mit einem guten Start ins neue Jahr kann er erstmals in die TOP 10 einziehen. Und das auf eine unvergleichliche Art, die man bei fast keinem anderen Tennisspieler finden kann - Defensivkunst kombiniert mit bedingungslosem Einsatz. Wo andere Spieler im Zweifel zurückziehen, um keine Verletzung zu riskieren, da sprintet Monfils mit doppelter Geschwindigkeit. Fast in jedem Spiel liegt er am Boden, weil er nach Bällen gehechtet ist oder schlicht zu schnell war.
Die Koketterie des Erschöpften - Auch gegen Murray?
Ob der bedingungslose Einsatz auch auf die Wurzeln zurückzuführen ist? Monfils Eltern kommen aus Guadeloupe und Martinique - zwei Inselstaaten in Mittelamerika, die heute zu Frankreich gehören. Vielleicht ist es auch einfach eine Art Koketterie des erschöpften Spielers, der die Massen auf seine Seite ziehen will. Und etwas Anerkennung dafür haben möchte, dass er sich auf dem Platz förmlich zerreißt. Das kennt man in dieser Intensität höchstens noch vom Zyprioten Marcos Baghdatis. Eins steht jedenfalls fest: Auch gegen Murray wird Monfils wieder alles aus sich rausholen. Das wird er gegen den Schotten auch müssen. Zumindest geht er als klarer Außenseiter (Quote 3,40 bei Betfair) ins Rennen. Seine Motivation wird dadurch aber eher noch steigen - wenn das überhaupt noch möglich ist.