Derby im Davis Cup - Der erste Tag
150 Davis Cup
/ Klaus Schepers / 06 März 2009 / Kommentar schreiben Wettbonus
Im Wintersportort Garmisch-Partenkirchen gibt es heute ein Duell zu bewundern, das so gar nichts mit Schnee zu tun hat. Um 14.30 startet das Daviscup-Duell zwischen Deutschland und Österreich. Die Derbystimmung dürfte durch die Wahl der Deutschen, das Spiel in Garmisch zu spielen, noch verstärkt werden. Schließlich ist der Ort nur wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Ob's ein wirkliches Heimspiel für die Deutschen wird?
Spiel 1: Rainer Schüttler gegen Stefan Koubek
Geht man nach den aktuellen Weltranglistenposition der beiden Akteure, müsste dieses Spiel nach drei Sätzen zu Ende sein: Rainer Schüttler steht an Position 31, Stefan Koubek auf Rang 255. Doch beide Rankings entsprechen nicht dem aktuellen Leistungsvermögen: Rainer Schüttler verdankt seine gute Position vor allem dem Halbfinale von Wimbledon aus dem vergangenen Jahr. Ohne diese vom Losglück erspielte Leistung wäre der Deutsche aktuelle auf dem 75. Platz vorzufinden. Natürlich hat er damals stark gespielt, doch das Halbfinale von Wimbledon hat mit der heutigen Partie rein gar nichts zu tun. Rechnet man noch gute Ergebnisse hinzu, die dadurch entstanden sind, dass der Deutsche bei kleineren Turnieren gesetzt wurde, erhält man sein derzeitiges Leistungsvermögen: Irgendwas zwischen Platz 80 und 90.
Und genau das dürfte auch die Platzierung sein, die Stefan Koubek im Moment haben könnte, wenn ihn 2008 nicht eine Verletzung weit zurückgeworfen hätte. Zwischen Ende März und Ende September konnte er keine einzige Partie bestreiten. Im Moment ist er also auf Wild Cards angewiesen oder muss sich durch die Qualifikation quälen. Zuletzt klappte das aber schon wieder ganz gut. In Delray Beach konnte er das Viertelfinale erreichen und dabei immerhin Yen-Hsun Lu bezwingen, der zuvor Lleyton Hewitt besiegt hatte. Und auch bei seinen vier weiteren Turnierauftritten musste er nicht einmal in der ersten Runde die Segel streichen.
Es ist auch ein Duell der Oldies auf der Tour: Beide sind bereits 32 Jahre alt und schon lange auf der ATP-Tour unterwegs. Das zeigt auch das Head-to-head: Bereits acht Duelle haben sich die beiden schon geliefert, das erste bereits vor über zehn Jahren. Insgesamt konnten beide Spieler vier Spiele für sich entscheiden, zuletzt zwei Mal auf der Challenger Tour. Auch wenn beide in den Rakings schon weit hinten zu finden waren, die Liebe zum Tennissport lässt sie auch im höheren Alter noch Tennis spielen. Schüttler konnte mit dem Halbfinale in Wimbledon noch einmal ein Highlight setzen.
Ein Highlight dürfte für beide auch noch einmal diese Davis Cup-Teilnahme sein: Schüttler hat seit drei Jahren nicht mehr für die deutsche Mannschaft gespielt, insgesamt aber eine positive Bilanz von 6:3. Koubek wird sich nach seiner Verletzung über jedes Spiel freuen, dass ihm zusätzliche Spielpraxis bringt, vor allem wenn es mit so vielen Emotionen verbunden ist wie beim Davis Cup. Seine Bilanz im Davis Cup liegt bei 12:13.
Der Ausgang dieses Spiels ist völlig offen, obwohl die beiden in der Weltrangliste fast 200 Plätze trennen. Eines dürfte dabei fast sicher sein: Dieses Spiel wird über mehr als drei Sätze gehen. Die Quotierung dürfte dabei ungefähr richtig sein, denn immerhin hat Schüttler (1.70) hier den Heimvorteil. Die zuletzt gezeigten Leistungen machen diese Duell aber zu einem echten "Coin Flip".
Spiel 2: Philipp Kohlschreiber gegen Jürgen Melzer
Hier sind die Vorzeichen anders als im Spiel zuvor. Philipp Kohlschreiber geht als klarer Favorit ins Rennen, obwohl er in der Weltrangliste (37 vs. 32) hinter dem Österreicher steht. Der aber konnte zuletzt nicht überzeugen und verlor seine letzten vier Spiele. Dabei waren allerdings auch Duelle gegen Andy Murray und David Ferrer.
Gegen David Ferrer hat auch Philipp Kohlschreiber zuletzt verloren, sogar viel deutlicher als der Österreicher. Der konnte den Spanier immerhin in einen dritten Satz zwingen (6:3, 6:7, 5:7), im Gegensatz zu Kohlschreiber (4:6, 2:6). Natürlich sind solche Duelle immer vom Match-Up und der Tagesform abhängig. Da beide Spiele aber erst vor wenigen Wochen waren, kann man daran schon sehen, dass Jürgen Melzer zumindest nicht deutlich schlechter einzuschätzen ist als sein Gegner.
Die Daviscup-Bilanzen unterschieden sich vor allem in der Anzahl: Philipp Kohlschreiber liegt bei einer Bilanz von 4:3, Jürgen Melzer bei 8:13. Was dem Österreicher an positiven Erfolgen fehlt, macht er durch die große Erfahrung wett. Selbst wenn die Fans Kohlschreiber hier nach vorne peitschen, Melzer sollte damit gut zurecht kommen können.
Natürlich muss der Deutsche hier als Favorit ins Spiel gehen, aber niemals zu den aktuellen Quoten. Auch wenn Melzer zuletzt auf der Tour nicht überzeugen konnte, auch sein heutiger Gegner hat im Jahr 2009 bisher nicht viel erreichen können. Außer dem Viertelfinale von Auckland zu Beginn des Jahres sind da keine guten Ergebnisse zu finden. Warum der Deutsche trotzdem als klarer Favorit (1,43) ins Rennen geht, bleibt ein Geheimnis der Wettwelt. Ein Lay des Deutschen ist hier ein absolustes Muss.