Interview mit Betfair Poker Pro Hans Martin Vogl - Duplicate-Poker und der Aufstieg der deutschen Spieler
Poker
/ DangerMouse / 19 Dezember 2011 / Kommentar schreiben Wettbonus

Hans Martin Vogl
Dank der hervorragenden Poker-Ergebnisse von Briten in den letzen Jahren behaupteten nicht wenige, dass die Briten die Pokerszene dominieren. Wichtige Pokerturniere, wie zum Beispiel die European Poker Tour konnte von britischen Spielern wie David Vamplew, Liv Boeree, Roberto Romanello, Rupert Elder, Jake Cody und Toby Lewis gewonnen werden. Ein anderes Land jedoch hat sich inzwischen fast unbemerkt weit nach vorne geschoben: Deutschland.
Der deutsche Betfair Neuzugang Hans Martin Vogl hat kürzlich bei dem IFP Nationen Cup sein Land vertreten. Sein Team unter der Leitung von Stephan Kalhammer bestand aus Moritz Kranich, Sandra Naujoks, Tobias Reinkemeier und Sebastian Ruthenberg. Gespielt wurde ein neues Poker-Format - Duplicate Poker. Es wurde von der International Federation of Poker ins Leben gerufen und soll den Glücksfaktor beim Poker beseitigen/reduzieren. Dies soll erreicht werden, indem jeder Spieler an jedem Tisch die gleichen Starthände ausgeteilt bekommt.
Hier das Interview, das Hans mit Yorkshire Pudding führte, nachdem das deutsche Team das Event für sich entscheiden konnte:
Yorkshire Pudding - Du hast in der Vergangenheit viel Online-Poker gespielt. Wie hat sich das Spiel deiner Meinung nach in den letzten Jahren verändert? Sogar auf den niedrigen Limits wird nun gedrei- und gevierbettet - etwas, das man vorher nur auf den höheren Stakes sehen konnte.
Hans Vogl - Es wird immer härter mit Poker seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ich habe ein paar Freunde, die früher gro0e Gewinner waren. Einer davon hatte einen 5$ Bonus bekommen und damit 500,000$ gemacht - leider hat er alles wieder verloren. Aber er spielte damals 10$ / 20$ und manchmal 25$ / 50$, heute spielt er 1$ / 2$ und sagt, dass es heute dennoch viel schwieriger sei als damals 25$ / 50$.
Yorkshire Pudding - Spielst du viel Live-Poker? Würdest du zustimmen, dass es Live sehr schwer ist Geld damit zu verdienen?
Hans Vogl - Ich habe erst kürzlich wieder vermehrt offline gespielt. Manchmal spiele ich aber in unserem lokalen Casino - hauptsächlich 2$ / 5$ No Limit Holdem. Das Niveau dort ist nicht besonders hoch. Falls man aber einen Bad-Beat einstecken muss oder eine Hand per Setup verliert, dann kann es schon eine ganze Weile dauern, bis man sein Geld zurück gewonnen hat. Zusätzlich hat man natürlich noch weitere Ausgaben, zum Beispiel beim Nations Cup - da konnte man schnell 150€ für eine Übernachtung ausgeben - dann braucht man noch Essen und Verpflegung - alles in allem können die Ausgaben schon recht arg ausfallen. Man muss erst mal dieses Geld eingenommen haben - alles darüber hinaus ist dann Profit.
Ich habe aber auch Freunde, die Live-Pros sind, die ihr Geld hauptsächlich durch Turnier-Poker verdienen und von einem Ort zum nächsten Reisen, sie alle haben krasse Swings. Sie fliegen aus dem Turnier und spielen dann Cash-Game. Aber mit Flugkosten, Verpflegung und weiteren Kleinigkeiten, wie für Wäsche waschen, zahlt man eine Menge Geld in Hotels.
Zusätzlich zahlen sie noch ihre leerstehende Wohnung zu Hause - alles in allem ist es wirklich sehr teuer.
Es ist auch sehr beschwerlich 15 Stunden in einem schlecht belüfteten Casino zu verharren, um sich herum evtl. Leute, die ihre Haltung verlieren. Da gibt es schon schöneres, was man mit seiner Zeit anfangen kann.
Yorkshire Pudding - Wie läuft es bei dir beim Pokern? Hast du Betfair schon "unsicher" gemacht?
Hans Vogl - Ich konnte leider nicht so viel spielen, wie ich es mir wünsche. Das Team-Event in London und das Betfair Poker Live Event in Spanien beanspruchten sehr viel Zeit. Bald werde ich aber richtig loslegen. Hoffentlich läuft es dann gut.
Yorkshire Pudding - Spielst du denn hauptsächlich Cash-Game? Auf welchen Stake-Levels können wir dich spielen sehen?
Hans Vogl - Das ist verschieden. Ich spiele zum einen viel Cash-Game, vorwiegend 1$ / 2$ und 2$ / 4$, auch habe ich angefangen wieder mehr 6-Max zu spielen. Zudem spiele ich auch viele SNGs. Darauf konzentriere ich mich zurzeit. Gerne spiele ich auch ab und an ein Multi-Table-Turnier. Jedoch bevorzuge ich es mir meine Pokern-Pausen selbst auszusuchen. Normalerweise spiele ich zwei bis drei Stunden, mache dann eine Pause und kehre später zu den Tischen zurück.
Ab und an versuche ich mich auch an Pot Limit Omaha. Ich denke da liegt sehr viel Potential in der Zukunft. Es ist sehr "swingy", aber auch sehr spaßig.
Yorkshire Pudding - Was macht die deutsche Pokerszene im Moment? Es gibt sehr gute deutsche Spieler, wie Sebastian Ruthenberg und Tobias Reinkemeier. Beide schneiden in den europäischen Turnieren sehr gut ab. Über allem schwebt wohl im Moment Pius Heinz, der das Main-Event der WSOP für sich entscheiden konnte. Es scheint so, als gäbe es einen harten Kern sehr guter Spieler in Deutschland.
Hans Vogl - Absolut. Poker ist sehr stark in Deutschland und gehe davon aus, dass es noch größer wird in den kommenden Jahren. Spieler, wie Pius Heinz sorgen für Spielernachwuchs, da sie vor drei oder vier Jahren angefangen, es geschafft haben eine schöne Bankroll aufzubauen und jetzt in Live-Turniere große Erfolg haben. Wie du sagtest, wir haben einen Weltmeister, Benny Spindler gewann die EPT in London und spielt sehr stark auf in Omaha. Unser Team hat beim Nationen Cup in London auch sehr gute Arbeit geleistet. Jede Woche liest man über einen deutschen Pokerspieler der einen Final-Table erreicht oder ein großes Pokerturnier gewinnt. Dann haben wir noch viele hervorstechende Online Spieler, die die härtesten Spiele schlagen. Ein Thomas Rettenmaier führt die unabhängigen Rankings im Moment an.
Wir haben viele gute deutsche Spieler da draußen und manche davon haben sehr viel Potential.
Yorkshire Pudding - Ich hatte das Glück bei vielen Poker Tours zu arbeiten und mir ist aufgefallen, dass die Deutschen Spieler viel Zeit miteinander verbringen, sich gegenseitig unterstützen und in den Mittagspausen zusammen sind. So ähnlich wie man es bei den Skandinaviern über die Jahre hinweg beobachten konnte, die Amerikaner tun es und die Deutschen scheinen diesem Muster zu folgen.
Hans Vogl - Es ist absolut so wie du es sagst. Die Stimmung unter uns ist großartig. Es existiert ein Team-Spirit und das konnte man auch bei unserem Team-Event in London sehen. Keiner hat auch nur ein Wort verloren wenn ein Team-Kollege eine Hand falsch gespielt hat. Wir haben die Nachmittage zusammen verbracht, hielten Team-Meetings ab, usw. Manche von uns wohnen sogar in derselben Nachbarschaft in London. Ich weiß, dass das bei Fabian Quoss, Ruthenberg, Reinkemaier und Spindler der Fall ist und sie sich fast täglich sehen. Das ist natürlich ein großer Vorteil weil man mehr Hände diskutiert und jeder von jedem lernen kann.
Yorkshire Pudding - Du hast mit dem Team ja den Nations Cup für Deutschland gewonnen. Es sah nach einem spaßigen und ungewohnten Format aus - ein bisschen wie Bridge, wo jeder die gleiche Hand bekommt an der jeweils selben Sitzposition pro Tisch. Es wird gesagt, dass der Glücksfaktor dadurch beseitigt wird und das Können entscheidender wird. Hat es Spaß gemacht?
Hans Vogl - Es war großartig, wirklich großartig. Das hätte ich auch gesagt, wenn wir nicht gewonnen hätten, einfach weil es so viel Spaß gemacht hat. Beim normalen Poker spielt man ja immer nur für sich selber - hier aber hat es so viel mehr Spaß gemacht weil man sein Land vertreten und in einem Team gespielt hat. Das Format war sensationell, super cool war es die gleichen Starthände zu bekommen - also Tisch 1 Sitz bekam die gleichen Karten wie Tisch 2 Sitz 1, usw. . Es war also garantiert, dass jedes Team die gleichen Karten bekommen hat.
Yorkshire Pudding - Das hört sich so an, als sei es eine richtig gute Idee gewesen. Ich habe aber gerade keine Vorstellung wie schwierig es wäre dies auf einem größeren Event, sagen wir der World Series Of Poker, umzusetzen.
Hans Vogl - Wir haben in unserem Team unter anderem darüber gesprochen. Es wäre ein super Turnier bei der WSOP. Aber es müsste schon ein 50000$ oder 100000$ Buy-In Turnier sein, damit das Teilnehmerfeld reduziert wird und quasi nur High Roller und "Super Pros" daran teilnehmen könnten.
Alles in London lief so reibungslos ab, weil die Karten schon gemischt und präpariert waren. Sie musste also nur noch aus dem Koffer geholt und ausgeteilt werden. Verglichen mit einem normalen Turnier wurde schon sehr viel Aufwand betrieben um die Kartenstapel, usw. vorzubereiten. Falls beim Austeilen der Karten natürlich ein Fehler unterläuft, müsste man gesamte Turnier unterbrechen damit keiner Person an einem Tisch ein Nachteil gegenüber der gleichen Sitzposition an einem anderen Tisch entsteht.
Yorkshire Pudding - Denkst du, dass der Glücksfaktor vollends beseitigt wurde?
Hans Vogl - Glück war immer noch Bestandteil des Spiels, da der Ausgang einer Hand immer von der Qualität der Spieler am Tisch, sowie dem Handverlauf abhängig war. Wir hatten zum Beispiel QQ auf der Hand auf meiner Position. Ich war in Position 1, Position 3 hatte JJ auf der Hand und Position 6 hatte 2er. Es kam so, dass JJ meine Queens "aussuckten". Der Flop kam Q8 und eine unbedeutende Karte, der Turn war eine 9 und am River kam dann die T, welche JJ eine Straight bescherte. Ich hatte also Topset und das Geld ist komplett am Flop reingewandert. An Tisch 3, an dem Sarah Naujoks spielte verlief die Action folgendermaßen: die 2er re-raisten und die Queens re-re-raisten und Sarah foldete ihre Pocket-Jacks - es kam zum All-In QQ vs. 22. Ein Hand, welche Sarah mit ihren JJ gewonnen hätte! Sie hat also die Hand mit ihren JJ nicht gewonnen und ich habe all meine Chips mit QQ verloren - dennoch haben wir beide unsere Hand perfekt gespielt. Ich habe mein Geld reingestellt als 98% Favorit und Sarah hat nicht so viel an Chips investiert als Underdog. Diese Hand wurde im Finale ausgespielt und hat uns sehr viele Punkte gekostet - nichtsdestotrotz haben wir gewonnen, was die Qualität in unserem Team unterstreicht. Bis zu einem gewissen Anteil ist Glück aber demnach immer noch involviert. Es hat dennoch sehr viel Spaß gemacht und das Format war faszinierend.
So, das wars. Wenn man Hans Glauben schenken darf und es gibt eigentlich keinen Grund dies nicht zu tun, dann wird der Gewinn des WSOP Main Events von Pius Heinz nur der erste Deutsche Erfolg von vielen weiteren in den nächsten Monaten sein.