Prix de l'Arc de Triomphe: Das wichtigste Galopprennen des Jahres am Sonntag
Pferderennen
/ Marco Hoffmann / 02 Oktober 2009 / Kommentar schreiben Wettbonus Zum Wettmarkt

Der Prix de l'Arc de Triomphe, der am Sonntag um 16.15 Uhr auf der Rennbahn Longchamp in Paris gestartet wird, gilt allgemein als das wichtigste Galopprennen der Welt. Der Arc ist mit vier Millionen Euro dotiert und somit ist er zumindest das wertvollste Grasbahnrennen weltweit.
Favorit ist Sea The Stars, ein Pferd aus Irland mit deutscher Oma, das derzeit als das beste der Welt gilt. Dieses Jahr ist er unbesiegt, gewann u.a. das englische Derby und zuvor auch die 1000 Guineas. Von der Distanz scheint er recht unabhängig zu sein, ist allerdings auf gutes Geläuf angewiesen. Und ein guter Rennverlauf ist bei 19 Startern bekanntlich auch nicht garantiert. Wirklich sicher kann man sich also bei diesem Favoriten nicht sein, auch wenn seine außerordentliche Klasse unbestritten ist. Der Sieg von deutschem Blut wäre aber auch möglich, wenn Sea The Stars einen schlechten Tag erwischt. Auch Fame And Glory, in Irland von Spitzentrainer Aidan O'Brien trainiert, hat eine deutsche Großmutter. Er gewann das Irish Derby, unterlag aber bei allen Aufeinandertreffen Sea The Stars. Für ihn spricht aber, dass er weiches Geläuf lieber mag. Stacelita ist eine unbesiegte Stute mit deutschem Vater und in Deutschland gelaufener Mutter. Eigentlich müsste man das Wort „Superstute" benutzen, so sehr, wie sie bei ihren ersten sechs Siegen (u.a. im Prix de Diane) imponierte. Doch bei der Generalprobe wurde sie erstmals besiegt. Sie erhielt den Sieg erst nach der Disqualifikation der eigentlichen Siegerin. Und zwar weil diese die eigentlich Fünftplatzierte behindert hat, die übrigens in Deutschland trainiert wurde. Den französischen Regeln nach war die Disqualifikation korrekt, in Deutschland hätte es eine Ausgleichszahlung gegeben und in England und Irland wäre nichts passiert. Somit hatte Stacelita Glück und bleibt offiziell unbesiegt. Man weiß nun aber, dass sie verlieren kann. Besagte Bezwingerin läuft ebenfalls: es ist die Engländerin Dar Re Mi. Auch La Boum ist eine deutsche Stute, aber Außenseiterin.
Getaway ist das einzige wirklich deutsche Pferd im Feld. Er wird von Derbysiegtrainer Jens Hirschberger aufgeboten und gehört Georg Baron von Ullmann. 2007 war er Vierter im Arc, letztes Jahr Achter. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er im Hansa-Preis in Hamburg platziert, dann knapp vom aktuellen Derbysieger Wiener Walzer nach toller Kampfpartie bezwungen und gewann schließlich überzeugend ein Gruppe-I-Rennen in Baden-Baden. Und zwar u.a. vor dem auch laufenden Youmzain, dem Vorjahreszweiten im Arc. Getaway braucht weiches Geläuf. Bekommt er das, ist er gefährlich.
Conduit gewann letztes Jahr in den USA den Breeders' Cup Turf. Zuletzt kam er hinter Sea The Stars und Fame And Glory ein, doch die damalige Distanz war etwas zu kurz. Als einer der stärksten Franzosen gilt Cavalryman. Doch selbst der Trainer sagt, dass er nur an eine Platzierung glaubt. Vision d'Etat, im Vorjahr französischer Derbysieger, ist bestimmt nicht schlechter. Zwei Gruppe-I-Rennen gewann er dieses Jahr, verlor aber bei der Generalprobe. Allerdings ohne alles zu zeigen, der Jockey ließ es ruhig angehen. Zu beachten ist sicherlich noch Sariska, eine der besten Stuten ihrer Generation in England und Irland. Wie sie die Irish Oaks gewann - locker, überlegen, der Jockey saß wie im Kino - war einzigartig. Sensationellerweise verlor sie ihr folgendes Rennen, soll allerdings rossig gewesen sein. Mit anderen Worten: sie hatte ihre Tage.
Die übrigen Starter gelten als Außenseiter, auch der US-Amerikaner Steele Tango, der Tscheche Tullamore und der Brasilianer(!) Hot Six. Doch auch Außenseiter können den Arc gewinnen. Für die größte Sensation sorgte 1975 mit Star Appeal der einzige deutsche Arc-Sieger.
Nicht unerwähnt bleiben sollen die Favoriten der anderen großen Rennen.
Der „Qatar Petroleum Prix de l'Opera" ist das wichtigste Stutenrennen beim Arc-Meeting. Mit Night Magic, trainiert von Wolfgang Figge in München, tritt die deutsche Stutenkönigin an. Und unmöglich ist sie sicherlich nicht. Schon im letzten Jahr gab es einen deutschen Sieg durch Lady Marian. Sie läuft wieder, hat dieses Jahr bei wenigen Starts allerdings nicht überzeugt. Eine deutsche Abstammung hat zudem Eclair de Lune. Sie ist aber wohl doch eher Außenseiterin. Stark erscheinen Alpine Rose, Midday und Again.
Im „Prix de l'Abbaye" (Rennen 2) geht es über 1000 Meter. Vielleicht siegt ja War Artist, der einen deutschen Besitzer hat. Auch denkbar: Fleeting Spirit, der vor Jahren hier erfolgreiche Benbaun oder der nicht gerade geschonte Zweijährige(!) Monsieur Chevalier, für den aufgrund seines Alters große Gewichtsvorteile sprechen.
Im „Prix du Cadran" der Extremsteher (Rennen 8) läuft mit Askar Tau ein stark gesteigerter Engländer aus deutscher Zucht mit ersten Chancen. Favorit ist aber wohl der Irish Leger-Sieger Alandi. Orion Star, deutsche Abstammung und deutscher Besitzer, war im Vorjahr Dritter. Incanto Dream belegte Rang 2, Kasbah Bliss (auch über Hindernisse aktiv) war Vierter, der heiße Favorit Yeats, eine lebende Legende, die aber in den letzten zwei Jahren in genau diesem Rennen versagte, war Fünfter. Es könnte der letzte Start seiner großen Karriere sein. Da wäre ein Sieg nicht unlogisch.
Es gibt noch zwei Gruppe-I-Rennen für Zweijährige, den „Total Prix Marcel Boussac" für die Stuten (Rennen 3) und den „Prix Jean-Luc Lagadere" für die Hengste (Rennen 4). Die Favoriten sind, auch wenn man da raten muss, meines Erachtens Wedding March bzw. der unbesiegte Engländer Dick Turpin.
Viel Glück beim Wetten, Euer Marco
