Am Sonntag in Hamburg: Derbysieger gesucht!
Pferderennen
/ Marco Hoffmann / 02 Juli 2011 / Kommentar schreiben Wettbonus Zum Wettmarkt

Das „Idee 142. Deutsche Derby" ist das wichtigste deutsche Galopprennen. 18 dreijährige Hengste laufen am Sonntag um 17.35 Uhr in Hamburg (der Sender Sport 1 überträgt live, wie es heißt) um ein Preisgeld und Besitzerprämien von insgesamt 675.000 Euro. Hinzu kommen Zuchtprämien für die besten in Deutschland gezüchteten Pferde.
Unfassbare fünf Starter hat das Gestüt Schlenderhan in diesem Jahr. Die Zuchtstätte gewinnt 2011 Rennen um Rennen, somit wäre ein erneuter Derbysieg (man erinnere sich an Wiener Walzer oder Adlerflug aus den letzten Jahren) nicht überraschend. Stalljockey Adrie de Vries hat Mawingo erwählt. Angeblich kommt er am besten mit dem wohl guten Geläuf klar. Der Gruppesieg in der Münchener Vorprüfung sah gut aus, war aber auch etwas überraschend. Er gewann knapp vor Arrigo, der wiederum das Union-Rennen in Köln gewann und das ist noch immer die wichtigste Vorprüfung auf das Derby. Im Derby bekommen die Pferde ihre Startnummern nach den Vorleistungen zugeteilt und Arrigo, der ein Bruder des erwähnten Adlerflug ist, hat aus gutem Grund die Nummer 1. Der Stalljockey tat sich schwer mit seiner Wahl. Angeblich mag es Arrigo weicher unter den Hufen. Ihm passt also der derzeitige Regen, aber ob dieser ausreicht? An seinem jetzigen Jockey Kieren Fallon wird er nicht scheitern, denn das ist ein Weltklassemann. Für mich ist Arrigo stärker als Mawingo. De Vries hat schon häufig falsche Pferde erwählt. Ich weiß nicht, ob er auch Ibicenco hätte reiten wollen, denn der gefällt mir auch sehr. Nach seinem überzeugenden Sieg beim ersten Jahresstart in Bremen lief er zweimal in Frankreich und war im Ziel immer Zweiter, minimal geschlagen. Das war bärenstark. Ametrin, die Nummer 2 im Feld, war hinter Arrigo Zweiter in der Union, was eine überraschend gute Vorstellung war. Ihn sehe ich ebenso wie Tahini (Startnummer 15) nicht als Sieger. Aber ich kann mich täuschen.
Einziger Gast ist Brown Panther. Er gehört Fußballweltstar Michael Owen und war bei Royal Ascot völlig überlegen in einem Handicap. Diese Leistung macht ihn zu einem Mitfavoriten. Es heißt aber er braucht weiches Geläuf. Ausländische Siege sind im Derby nicht gerne gesehen. In der Neuzeit war es erst einmal der Fall, und zwar im Vorjahr. Brown Panthers Vater wäre immerhin Deutscher.
Drei Pferde bietet Trainer Andreas Wöhler auf. Er war immer ein Derbytrainer, gewann dieses Rennen zwei Mal, zuletzt 1999. Davor und danach war er diverse Male platziert. Der Stalljockey sitzt auf dem in Hamburg gezüchteten Earl of Tinsdal, der zwar in dem von Mawingo gewonnenen Rennen in München erstmals verlor, aber das lag an einem verlorenen Hufeisen. Zuvor in Frankfurt hatte er Mawingo bezwungen. Ich persönlich mag Waldpark und würde es vor allem auch seinem Jockey gönnen, dass er das Derby gewinnt. Waldpark ist unbesiegt. Zwar war er einmal auch „nur" in einem Handicap am Ablauf, siegte aber völlig überlegen gegen ältere Pferde, was früh im Jahr viel wert ist. Und er gewann die Derbyvorprüfung in Baden-Baden (vor Tahini). Mi Senor ist der dritte Starter. Er scheiterte im Bremer Derby Trial. Zu weiches Geläuf soll schuld gewesen sein, aber ich weiß auch nicht, ob der für den Derbysponsor antretende Bruder einer Weltklassestute gut genug ist. Eine schöne Geschichte ist der Ritt von Steffi Hofer. Erst zum zweiten Mal in der Geschichte des Deutschen Derbys reitet eine Frau. Das letzte Mal war 1979! Im letzten Jahr hatte ein schwerer Sturz einen geplanten Hofer-Ritt verhindert.
Vier Starter hat auch Trainer Peter Schiergen, der ebenfalls ein Derbyspezialist ist, dieses Rennen mehrfach gewann. Der Stalljockey sitzt auf Saltas, der in der Union hinter u.a. Arrigo und Ametrin war, zuvor in Frankfurt Earl of Tinsdal unterlag. Silvaner war letztes Jahr der unbesiegte Winterfavorit, aber dieses Jahr überzeugte er wenig, war u.a. weit hinter Arrigo und Mawingo. Und hinter Trainingsgefährte Lindenthaler: dieser war lange unbesiegt. Er reiste dann Mitte Mai nach Frankreich, hätte das dortige Rennen nach Bestform gewinnen müssen, war aber abgeschlagen Letzter. Seitdem hat er pausiert. Hier bestehen Fragezeichen, und dass der Stalljockey ihn nicht reitet, bestärkt die Zweifel nur. Theo Danon scheint mir etwas unzuverlässig zu sein. Ich weiß nicht, ob der Sieg im Derby Trial von Hannover viel wert war, aber das Rennen dort gewannen schon häufig spätere Derbysieger. Ametrin war Zweiter, drehte den Einlauf im Union-Rennen locker um, in dem Theo nur Fünfter war und somit hinter vier heutigen Gegnern.
Wie dem „Pferd der Herzen" Gereon. Keiner wollte den Hengst als junges Pferd haben und so kam der im Rollstuhl sitzende (und in Hamburg als Abwieger tätige) Besitzertrainer Christian Zschache in seinen Besitz. Letztes Jahr blieb der Hengst unbesiegt, gewann sogar ein Grupperennen. Dieses Jahr musste er im Mehl-Mülhens-Rennen und im Union-Rennen ran und war platziert, wobei sein Jockey jeweils keinen guten Tag erwischte. Deshalb wurde er ausgetauscht. Ein Star aus Irland reitet. Ich traue Gereon viel zu.
Bleiben noch einige Außenseiter. Absolut überfordert sind Hoseo von Erika Mäder und Ordensritter von Horst Steinmetz (der das Derby vor Jahren einmal gewinnen konnte; kaum ein Trainer ist älter als er, sein Sohn ist übrigens der Starter). Ordensritter war schon in der Union ohne Chance, der sieglose Mäder-Hengst im Bremer Derby Trial, wo er gar nur Neunter war, meilenweit hinter dem enttäuschenden Mi Senor.
Eine Überraschung traue ich Sommernachtstraum und Appleby zu. Beide sind noch sieglos, aber Sommernachtstraum (Trainer ist Waldemar Hickst) scheiterte auch so manches Mal an dem Ritt des Jockeys. Er war dennoch immer platziert, hatte jüngst gegen Waldpark keine realistische Chance. Appleby kam mit Speed auf Platz 2 im Bremer Derby Trial. Der damalige Sieger läuft heute nicht, er wäre der sechste Schlenderhaner gewesen, könnte durchaus auf einem Niveau mit Mawingo und Co sein. Trainer Sascha Smrczek hat derzeit grandiose Form. Vor einer Woche gewann er ein Grupperennen in Hamburg und schaffte es im Rahmenprogramm drei Starter gegeneinander laufen zu lassen, die Erster, Zweiter, Dritter waren.
Tja, wen wette ich? Arrigo, Mawingo und Ibicenco sind logische Schlenderhaner, auch Brown Panther ist Pflicht. Ich mochte immer Waldpark, muss wegen des Stalljockeys auch Earl of Tinsdal nehmen. Gereon muss auch sein. Und für die Überraschung Sommernachtstraum und Appleby. Das sind immer noch viele Pferde. Eingegrenzt sind meine Wetten Arrigo, Waldpark und Gereon.
Viel Glück beim Wetten, Euer Marco