Golf - 37th RYDER CUP
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/ Timm Goeller / 16 September 2008 / Kommentar schreiben Wettbonus
Am Freitag, den 19. September hat das Warten für alle Golffans ein Ende.
Der Ryder Cup, das drittgrößte Sportereignis weltweit, beginnt in seiner 37. Auflage. Ausgetragen wird er in diesem Jahr auf amerikanischem Boden, im Valhalla Golf Club in Louisville, Kentucky.
Als Titelverteidiger reist das europäische Team nach Kentucky. 2006 konnte man einen fulminanten und eindeutigen Sieg im K Club in Irland feiern und den Cup das dritte Mal in Folge nach Europa holen.
Was ist der Ryder Cup?
Der Ryder Cup ist ein Teamwettbewerb, bei dem eine Auswahl europäischer Spieler gegen eine Auswahl an US-Amerikanern antritt.
Ins Leben gerufen wurde er im Jahr 1927 von einem Golffan namens Samuel Ryder, der damals einen Pokal und einen Geldpreis stiftete, um einen Kontinentalvergleich zwischen Amerika und Großbritannien stattfinden zu lassen.
Seitdem wird der Ryder Cup alle zwei Jahre (mit Ausnahme mit 1939 - 1945 und) ausgetragen.
2001 hätte er am Wochenende nach dem 11. September stattgefunden und wurde deshalb um ein Jahr nach hinten verschoben. Seit 2002 wird also in den geraden Jahren immer abwechselnd in USA oder Europa gespielt.
Spielmodus
Beide Teams treten mit jeweils 12 Spielern an. Im europäischen Team haben sich fünf Spieler über die Weltrangliste und fünf Spieler über die Order of Merit (die europäische Geldrangliste) qualifiziert. Die übrigen beiden erhielten von Kapitän Nick Faldo eine Wildcard.
In den USA ist die Qualifikation etwas anders. Über die Weltrangliste, die die Ergebnisse der Spieler der letzten zwei Jahren erfasst, qualifizieren sich die Top8 automatisch. Desweiteren hat der Kapitän, in diesem Jahr Paul Azinger, vier Wildcards zur Verfügung.
Alle 28 Partien des Ryder Cups (8 Foursomes, 8 Fourballs und 12 Einzel) werden im Lochspielmodus ausgetragen.
Am Freitag Morgen geht es mit vier sogenannten „Foursomes" los. Zwei Spieler einer Mannschaft spielen zusammen gegen zwei der gegnerischen Mannschaft. Die beiden Spieler schlagen ihre Bälle immer streng abwechselnd. Es sind also nur zwei Bälle im Spiel, obwohl sich vier Spieler in einem Flight befinden. Welches Team am Ende eines Loches weniger Schläge hat, gewinnt das Loch. Hat ein Team mehr Löcher Vorsprung, als noch zu spielen sind, wird es als Sieger erklärt und erhält einen Punkt. Geht ein Match unentschieden aus, so erhalten beiden Mannschaften jeweils einen halben Punkt.
Freitag Nachmittag geht es mit den „Fourballs" weiter. Auch hier spielen zwei Spieler in einem Team gegen zwei andere. Der Unterschied zu den Foursomes ist jedoch, dass jeder Spieler seinen eigenen Ball spielt, also insgesamt vier Bälle im Spiel sind. Diejenige Mannschaft, die pro Loch das niedrigste Einzelergebnis erzielt, gewinnt das Loch. Auch in dieser Variante ist wie beim Lochspiel üblich dann Schluss, wenn eine Mannschaft mehr Löcher Vorsprung hat als noch zu spielen sind.
Exakt der gleiche Modus wird am Samstag noch einmal gespielt. Der Kapitän benennt dabei die einzelnen Spieler, die in einer Paarung zusammenspielen.
Dass jeder nominierte Spieler mindestens einmal spielen darf, finden am Sonntag die finalen 12 Einzel statt.
Ein Spieler aus Amerika spielt im direkten Vergleich gegen einen Europäer. Auch die Einzel werden im Lochspielmodus ausgetragen, um größtmögliche Spannung zu bieten.
Sieger des Ryder Cups ist, wer am Ende der 28 Matches mindestens 14,5 Punkte erzielt hat. Geht es 14:14 aus, was bisher in der Geschichte erst einmal vorgekommen ist, gewinnt diejenige Mannschaft den Cup, die als Titelverteidiger angetreten ist.
(Die 1987 in Muirfield triumphierenden Europäer erreichten 1989 in The Belfry ein „Draw" und durften somit den Cup behalten, ehe er ihnen 1991 wieder abgenommen wurde).
Die Spieler
Das europäische Team besteht aus folgenden Spieler: Paul Casey (ENG), Sergio Garcia (ESP), Soren Hansen (DEN, Padraig Harrington (IRL), Miguel Angel Jiménez (ESP), Robert Karlsson (SWE), Graeme McDowell (NIR), Ian Poulter (ENG), Justin Rose (ENG), Henrik Stenson (SWE), Lee Westwood (ENG) und Oliver Wilson (ENG), wobei Paul Casey und Ian Poulter die von Kapitän Nick Faldo auserwählten Wildcards bekommen haben. Paul Casey erhielt sie, da er nur wenige Turniere in diesem Jahr spielte, diese jedoch alle gut bis sehr gut. Ian Poulter hatte nicht die Möglichkeit, sich über die Order of Merit zu qualifizieren, da er hauptsächlich auf der PGA Tour spielt, dort aber gute Ergebnisse erzielen konnte. Da er somit jedoch in keiner europäischen Rangliste auftaucht, erhielt er die zweite Wildcard.
Das europäische Team ist sehr stark einzuschätzen und wird von Jahr zu Jahr besser. Kein Wunder also, dass man die drei letzten Ryder Cups für sich entscheiden konnte. Gerade letzte Woche erst konnte einer der führenden Spieler Europas, Robert Karlsson, einen sehr wichtigen Sieg bei der Mercedes Benz Championship einfahren und kommt formstark und mental in top Verfassung nach Louisville. Miguel Angel Jimenez wurde bei dem Turnier übrigens auch guter Dritter.
Neben diesen beiden werden wohl Spieler wie Sergio Garcia, Henrik Stenson und Lee Westwood wichtige Rollen bei den Europäern spielen.
Garcia spielt seit ein paar Wochen das beste Golf seiner bisherigen Karriere. Auf der PGA Tour spielt er um den FedEx Cup und war lange Zeit einziger Konkurrent des fast sicheren Siegers Vijay Singh. Aktuell befindet Garcia sich auf Rang drei der Gesamtwertung, was ihm am Ende der Saison einen ordentlichen Scheck bescheren wird.
Der Schwede Henrik Stenson konnte drei seiner letzten vier Turnierteilnahmen unter den Top4 beenden, zweimal war das sogar bei Major Turnieren der Fall.
Lee Westwood befindet sich auf Rang vier der Order of Merit und belegt Position 12 in der Weltrangliste. Vor Westwood muss man insofern den Hut ziehen, da er sowohl auf der European Tour als auch auf der PGA Tour auf allerhöchstem Niveau mitspielen kann.
Desweiteren nicht in Vergessenheit geraten darf die Teilnahme von Europas Nummer 1, Padraig Harrington, um den es nach seinem Sieg bei der PGA Championship allerdings sehr ruhig wurde.
Als vierter der Weltrangliste ist Harrington der beste europäische Spieler weltweit.
Das amerikanische Team besteht aus: Phil Mickelson, Stewart Cink, Kenny Perry, Jim Furyk, Anthony Kim, Justin Leonard, Ben Curtis, Boo Weekley, Chad Campbell, J.B. Holmes, Hunter Mahan und Steve Stricker.
Kapitän Paul Azinger benannte Campbell, Holmes, Mahan und Stricker als Captain's Picks.
Jedem fällt sofort auf, dass Superstar Tiger Woods nicht dabei ist. Dies liegt immer noch an seiner Verletzung. Er wäre mit weitem Abstand als Ranglistenerster qualifiziert gewesen, trotz dass er nur sechs Turniere in diesem Jahr spielte.
Nichtsdestotrotz sind sehr viele namhafte Spieler im Team. Allen voran Weltranglistenzweiter Phil Mickelson. Dieser spielte eine solide Saison mit zwei Siegen und guten Platzierungen bei den Major Events. In den letzten Wochen allerdings konnte er im FedEx Cup sein Potenzial leider nicht abrufen und ist nur durch seinen großen Vorsprung, den er bereits vor den Playoffs gesammelt hat, für das Abschlussevent der GA Tour, „The TOUR Championship", qualifiziert.
An der Seite von Mickelson stehen Hochkaräter wie Jim Furyk, Neunter der Welt und Vierter im FedEx Cup. Gerade vor zwei Wochen entging ihm nur ganz knapp sein erster Saisonsieg.
Stewart Cink und Kenny Perry sind mit tollen Saisons 2008 ebenso wichtig wie Rookie Anthony Kim, der als größte Überraschung gilt und schon in seinem zweiten Profijahr zu den Top15 der Welt gehört. Mit zwei Turniersiegen, einem zweiten und zwei dritten Plätzen liegt Kim auf Rang sechs im FedEx Cup und hat noch Chancen, sich in zwei Wochen auf das Treppchen zu spielen.
Alles in allem ist die Stärke beider Teams in etwas gleich. Es sind jeweils viele Spieler am Start, die in letzter Zeit Siege und gute Platzierungen verbuchen konnten und auch von den Positionen in der Weltrangliste nehmen sich die Mannschaften nicht viel.
Ich sehe jedoch einen großen und entscheidenden Vorteil der amerikanischen Mannschaft genau darin, dass Tiger Woods nicht mit von der Partie ist.
Da Woods als Einzelgänger und vor allem auch Einzelsportler gilt und nicht dieses Teamgefühl aufbauen kann, welches beim Ryder Cup enorm wichtig ist, ist es zwar ein spielerischer Verlust, jedoch ein mentaler Vorteil, dass er nicht teilnimmt.
Die Spieler entwickeln so ein größeres Zusammengehörigkeitsgefühl und wollen der Golfwelt zeigen, dass sie nicht auf einen Tiger Woods angewiesen sind. Im Gegenteil: dass sie genau dann gewinnen, wenn er nicht dabei ist. Denn die letzten drei Ryder Cups - bei allen spielte Woods mit - verloren die Amerikaner. 2004 und 2006 sogar mehr als deutlich!
Die spielerische Gleichwertigkeit und der Aspekt, dass die USA vor allem mental gestärkt ins Turnier geht, lässt mich zu dem Schluss kommen, dass der 37. Ryder Cup nicht zum vierten Mal hintereinander nach Europa geht. Abgesehen davon, dass die USA auf heimischen Boden spielen.
Aktuell sind die Quoten für einen Sieg der USA bei ungefähr 2,2. Somit gelten sie als Außenseiter, was ich persönlich nicht unterschreiben würde.