Man City und die Frage: Schießt Geld (Eigen-)Tore?
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/ James Conrad / 04 August 2009 / Kommentar schreiben Wettbonus Zum Wettmarkt

Erst hackte Alex Ferguson auf Manchester City rum. Jetzt legte Evertons Manager David Moyes nach und warf dem Club mangelnden Respekt, fehlende Klasse und die Stillosigkeit eines Neureichen vor. James Conrad kommentiert im Betfair-Blog das Phänomen des reichsten, meistgehassten Fußballclubs dieser Tage.
Mit Geld kann man weder echte Liebe noch echte Freunde kaufen. Aber zumindest doch Erfolg im Fußball, hatte ich geglaubt: Geld schießt Tore! Doch ist diese Vermutung wirklich wahr? Manchester City ist neben Real Madrid das interessanteste Untersuchungsobjekt für diese zentrale Frage im aktuellen Profi-Fußball.
Money, Money, Money
Aber der Reihe nach: Seitdem die Abu Dhabi United Group im September 2008 in den Eastlands die Geschäfte übernommen hat, wussten wir, dass City bald zu den ausgabefreudigsten Fussballclubs der Welt gehören würde... und auf seinem Weg zur Spitze wie ein Neureicher in so manches Fettnäpfchen treten würde. Mit so viel Geld in der Tasche schert sich Manager Mark Hughes herzlich wenig darum, wem er auf den Schlips tritt, solange er einen namhaften Kader zusammen bekommt, der es mit den Top4 der Premier League aufnehmen kann.
Hughes sollte sich dabei aber lieber auf seine Arbeit konzentrieren und auf die kindischen Sticheleien Richtung ManU verzichten. Es gab schon genug Wirbel um Carlos Tevez und dessen Vergangenheit mit Manchester United. Das Aufstellen eines riesigen Tevez-Plakats in der Innenstadt von Manchester wurde daher bereits als unnötige Provokation empfunden.
Ist der Ruf erst ruiniert...
Noch viel größere Sorgen um den guten Ruf des Fussballs aber bereitet aktuell Citys üble Jagd auf Evertons Joleon Lescott. Obwohl Everton den Spieler für unverkäuflich erklärte, startete City bereits zwei Abwerbeversuche - und das letzte Wort in dieser Sache ist sicher nicht gesprochen. Evertons Manager David Moyes hat absolut Recht, wenn er die Art und Weise, wie Man City seine Transfergeschäfte managed, kritisiert. Er ist der Meinung, der Club aus den Eastlands verhalte sich mit der Jagd auf seinen Verteidiger respektlos gegenüber Everton.
Neben der Stilfrage hat Man City auch auf dem Spielfeld bislang nur enttäuscht. City kassierte zwar in der Vorbereitung keine Niederlage, ließ aber jeden Esprit und Teamspirit vermissen. Um diese zusammengewürfelte Truppe mit einer Quote von 15.0 auf den Sieg des nächsten Premier League Titels zu wetten, müsste man komplett verrückt sein. Selbst um daran zu glauben, dass City am Ende der Saison unter den Top 3 (Quote va. 4.4) oder Top 4 (Quote ca. 3.0) stehen wird, braucht man noch einen gehörigen Verlust an Realitätssinn.
Citys größtes Problem (auf dem Platz) besteht darin, dass sie zwar genug erstklassige Stürmer haben, ihnen jedoch nicht genügend erstklassige Verteidiger zur Verfügung stehen. Und so steht ein völlig unausgewogenes Team auf dem Spielfeld. Klar, Spieler vom Format Robinho, Tevez und Craig Bellamy haben das Potential weiter hinten zu spielen. Dann müsste allerdings eine Position im Mittelfeld geopfert werden für jemanden, der nicht so hart arbeitet wie Gareth Barry, Vincent Kompany oder Nigel de Jong.
Babylon in Manchester
Ausserdem gibt es da noch ein Problem, das der Mix aus verschiedenen Nationalitäten mit sich bringt: Sprachbarrieren, Zusammenhalt und Moral. Zum jetzigen Zeitpunkt besteht Citys Kader aus Spielern aus 18 (!) verschiedenen Ländern, u.a. Brasilien, Argentinien, Paraguay, Israel, Togo, Slowakei, Nigerien und der Elfenbeinküste. Wie sollen diese Spieler nur effizient miteinander kommunzieren - oder gar freundschaftliche Gefühle aufbauen? Und wie will irgendeiner von ihnen mit einem Egomanen wie Craig Bellamy zurechtkommen?
City ist ein reicher, ambitionierter Club - daran ist nichts auszusetzen. Es ist jedoch äußerst schwierig, ein Team aus dem Nichts zum echten Titelanwärter zu machen. Man kann nicht von Spielern aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt erwarten, sich auf Anhieb auf dem Spielfeld eine Einheit zu bilden. Ausgewogenheit und eine langfristige Strategie wie z.B. im Fall Hoffenheim sind gefragt, wo junge Spitzentalente und der bewusste Verzicht auf Stars den Erfolg gebracht haben.
City sollte mit dem ganzen Theater aufhören und sich einfach auf den Fussball konzentrieren. Das Ziel kann nur lauten am Ende der Saison unter den Top 6 (Quote ca. 1.5) zu stehen. Danach kann es Schritt für Schritt weiter nach oben gehen. Aber nur, wenn sie auf dem Boden bleiben und nicht überdrehen.