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'Knipser' Petric nimmt heute Lehmann ins Visier

Fussball RSS / Benjamin Heidlberger / 12 September 2009 / Kommentar schreiben

Sowohl der Hamburger SV als auch der VfB Stuttgart starteten mit großen Ambitionen in die Saison. Während der HSV seinen Zielsetzungen bislang mehr als gerecht wird, befindet sich der VfB auf der Verliererstraße. Das heutige Spiel hat für beide Teams richtungsweisenden Charakter: Die Elbstädter wollen ihre Erfolgsstory fortsetzen, die Schwaben nicht den Anschluss nach oben verpassen. Anstoß der Partie ist um 18.30 Uhr.

Die Ausgangslage:
Mit einem Sieg gegen den VFB Stuttgart können die „Rothosen" ihren guten Saisonstart vergolden. Nach dem 4:2-Sieg beim deutschen Meister VFL Wolfsburg kommt mit den Schwaben nun ein Klub in die HSH-Nordbank-Arena, dessen Ziele ziemlich eindeutig mit denen des HSV korrespondieren. Der VFB peilt den Sprung ins internationale Geschäft an. Um dieses Ziel zu erreichen, verstärkte man sich im Jahr eins nach dem Abgang von Top-Stürmer Mario Gomez gezielt: Stürmer Pavel Pogrebnyak und Mittelfeldstratege Aliaksandr Hleb machen die Schwaben in der Offensive nur sehr schwer einschätzbar. Allerdings konnten beide noch nicht ihr volles Potenzial abrufen. Während der Hamburger SV mit zehn Punkten aus vier Spielen zufrieden auf Platz eins rangiert, hinkt der VFB Stuttgart seinen eigenen Ansprüchen hinterher. Vier Spiele, fünf Punkte - der Saisonstart des VFB Stuttgart lässt zu wünschen übrig. Mit einem Sieg über den Spitzenreiter will der Champions-League-Teilnehmer zurück in die Erfolgsspur und gleichzeitig Selbstvertrauen für das Duell in der „Königsklasse" mit den Glasgow Rangers tanken

Das Spiel:
Der Hamburger SV spielt ballsicheren Offensivfußball. Petric & Co. sind derzeit torgefährlich wie nie: Der HSV bilanziert nach vier Spieltagen 12 Saisontore (3, 0 Tore im Schnitt). Im Gegensatz zu den torhungrigen Elbstädtern bringen es die Schwaben nur auf fünf Treffer.
Die taktischen Überlegungen des HSV basieren auf einem 4-4-2-System, aus dem dann wahlweise ein 4-3-3 oder ein 4-1-3-2 werden kann. Labbadias´ 4-2-2-2-System (Eljero Elia und Piotr Trochowski besetzen die Flügel, während Jarolim und Zé Roberto auf der „Doppel-Sechs" fungieren) hat sich in den letzten Spielen bewährt. Der HSV spielt in dieser Formation taktisch flexibel, fährt die meisten Angriffe über die Außenbahn und reißt so Löcher in die gegnerische Defensive. Mit Zé Roberto, Eljero Elia, Marcus Berg und auch David Rozehnal hat der HSV Spieler dazubekommen, die für ein solches System prädestiniert sind und die Qualität noch mal angehoben haben. Der HSV ist in der Lage, über die volle Spielzeit hohes Tempo zu gehen. Viele Mannschaften werden mit der taktischen Flexibilität der Hanseaten Schwierigkeiten bekommen. Der VFB Stuttgart ist daher fest entschlossen, dem HSV alle Tugenden entgegensetzen, um etwas Zählbares mitzunehmen. Auswärts hat sich der VFB bislang aber (noch) nicht mit Ruhm bekleckert. Ich erwarte daher ein Spiel, in dem der HSV die Akzente setzt. Stuttgart wird allenfalls reagieren und versuchen, gefährliche Konter zu fahren.

Kader / wer fehlt?
Der Schock beim Hamburger SV sitzt tief: Nur wenige Tage nach Außenverteidiger Collin Benjamin hat nun auch Stürmer Paolo Guerrero einen Kreuzbandriss erlitten und wird mindestens sechs Monate ausfallen. Der Peruaner zog sich diese Blessur am linken Knie beim WM-Qualifikationsspiel gegen Venezuela (1:3) zu und wurde bereits in der 15. Spielminute ausgewechselt. Guerrero hat sich zwar zu einem echten „Schwergewicht" im HSV-Angriff entwickelt, sein Ausfall wird aber dennoch zu kompensieren sein. Mit Neuzugang Marcus Berg verfügt die Labbadia-Elf über einen torgefährlichen Strafraumstürmer, der seine Fähigkeiten auch in der Bundesliga endlich unter Beweis stellen möchte. Bei seinem Ex-Club FC Groningen erzielte der Mädchenschwarm 17 Tore in 31 Spielen. Bei der U21-Europameisterschaft in Schweden avancierte Berg nicht nur zum „besten Spieler des Turniers", sondern sicherte sich mit sieben Toren in nur vier Partien auch die Torjägerkanone. Berg braucht nur ganz wenige Chancen, um zu treffen. Er arbeitet auch gut fürs Team: Er hält den Ball, holt ihn sich tief aus dem Mittelfeld ab und verteilt. Diese spielerische Qualität wird dem HSV sicherlich zugute kommen. Ich bin jedenfalls überzeugt, dass er nach dem langfristigen Ausfall von Paolo Guerrero seine „Knipserqualitäten" unter Beweis stellen wird. Vielmehr schmerzt indes der Ausfall von Benjamin. Der Namibier ist ein „polyvalenter" Spieler, auf deutsch: Benjamin ist beim HSV das Mädchen für alles. Sowohl in der Abwehr als auch im Mittelfeld ist der 31-Jährige beinahe auf jeder Position einsetzbar. Nach den schweren Verletzungen von Alex Silva (ebenfalls Kreuzbandriss) und B. Reinhardt (Mittelfußbruch) komplettieren Guerrero und Benjamin das Quartett der Langzeitverletzten.
Der VFB Stuttgart hat dagegen ausschließlich mit dem „Problem" zu kämpfen, dass alle Spieler fit und einsatzbereit sind. Ob Millionen-Neuzugang Zdravko Kuzmanovic von Beginn an auflaufen wird, ließ VFB-Coach Markus Babbel indes noch offen. Der serbische Nationalspieler, der vom italienischen Erstligisten AC Florenz wechselte, gilt als großes Talent. Nach dem Abgang von Star-Stürmer Mario Gomez müssen sich die Schwaben neu sortieren. Weder Hleb noch Progebnyak konnten bislang vollends ins VFB-Spiel integriert werden.


Fazit:
Der Hamburger SV spielt bislang eine hervorragende Saison und gilt als heißer Meisterschaftsfavorit. Die jüngsten Ausfälle spielen in meinen Augen nur eine untergeordnete Rolle, denn die Hamburger verfügen über eine exzellente Bank und können die Ausfälle adäquat kompensieren. Im Gegensatz zu Markus Babbel hat Bruno Labbadia seine Stammelf bereits gefunden. Babbel hingegen lässt weiterhin rotieren. Die Hamburger sind dementsprechend besser eingespielt. Gut möglich, dass der VFB auch ein wenig in der Konzentrationsfalle steckt. Immerhin trifft man am kommenden Mittwoch in der Champions-League auf die Glasgow Rangers. Ich erwarte heute ein Spiel, das weitestgehend vom HSV dominiert wird. Die Elbestädter sind zu Hause eine Macht, Stuttgart indes konnte auswärts noch keinen Punkt holen. Am Ende wird es wohl auf einen HSV-Sieg hinauslaufen, doch der VFB Stuttgart steht unter Zugzwang und muss endlich punkten. Die Schwaben werden daher eine harte Gangart einlegen und den Hanseaten alles abverlangen. Einen HT-FT-Sieg des HSV halte ich aus diesem Grund für nicht sehr wahrscheinlich.

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