Euro League: Schießt sich Hertha gegen Ventspils aus der Krise?
Europa League
/ Benjamin Heisenberg / 17 September 2009 / Kommentar schreiben Wettbonus Zum Wettmarkt

Am ersten Spieltag der Europa-League-Gruppenphase empfängt Hertha BSC im heimischen Berliner Olympiastadion den amtierenden lettischen Meister FK Ventspils. Anpfiff: 19 Uhr. Berlin ist zwar Favorit, steckt allerdings in einer Krise: Aktuell findet sich der Vorjahres-Vierte auf dem vorletzten Tabellenplatz der Liga wieder.
Hertha BSC vs. FK Ventspils
Zum Start der Europa-League-Gruppenphase gegen den FC Ventspils zählt für die Jungs von Lucien Favre daher nur ein Sieg. Auch Neu-Manager Preetz, der seit 100 Tagen die Amtsgeschäfte leitet, hat die Wichtigkeit der heutigen Partie untermauert: „Wir wollen die Gruppe überstehen und müssen die Gruppe gewinnen." Während für Hoeneß-Nachfolger Preetz drei Punkte bereits fest eingeplant sind, hege ich allerdings erhebliche Zweifel an der spielerischen Überlegenheit der Berliner. Die Alarmglocken bei Hertha BSC sind deutlich zu vernehmen. Mit nur einem Sieg aus fünf Spielen geht es in der Bundesliga steil bergab. Nach den Abgängen von Voronin (11 Tore), Pantelic (7 Tore) und Simunic (spielte eine exzellente Saison in der Innenverteidigung) ist Hertha einfach nicht mehr konkurrenzfähig. Dass jene spielerische Substanz aus der Vorsaison fehlt, war bereits in den beiden Play-off-Partien gegen Bröndby IF zu erkennen. Nachdem einer 2:1-Auswärtsniederlage im Hinspiel, gerieten die Berliner auch im Rückspiel in Rückstand. Trotz optischer Überlegenheit konnten sie kaum Durchschlagskraft entwickeln. Doch dem Schock folgte die Freude: Eine Viertelstunde vor Schluss hauchte Kacar den gastgebenden Berlinern neues Leben ein, indem er nach einer Ecke mit dem Kopf zur Stelle war und den Ausgleich besorgte. Kurz darauf stellte Hertha-Urgestein Dardai die Partie vollends auf den Kopf, als er mit einem fulminanten 20-Meter-Schuss dem dänischen Schlussmann keine Abwehrchance ließ. Die Favre-Elf hatte Blut geleckt und schaffte kurz vor Ende der regulären Spielzeit sogar noch das 3:1. Mit mehr Glück als (Fußballsach-)Verstand qualifizierten sich die Berliner folglich für die Gruppenphase der Europa-League. Die Gäste aus Ventspils sind sicherlich das schwächste Team der Gruppe D. Sporting Lissabon und der SC Heerenveen sind jeweils stärker einzuschätzen. Dennoch darf man die Letten keinesfalls unterschätzen. In den Play-offs zur Champions-League zog die Mannschft von Nunzio Zavattieri gegen den FC Zürich mit 0:3 bzw. 1:2 jeweils den Kürzeren. Dass der lettische Fußball auf Vormarsch ist, stellt allein die Fußball-Nationalmannschaft in der WM-Quali eindrucksvoll unter Beweis. Hinter Griechenland und der Schweiz ist Lettland die dritte Kraft in der Quali-Gruppe 2. Auch der FC Ventspils spielt einen schörkellosen Fußball und besinnt sich weitestgehend auf die sog. „Basics": Lauf- und Kampfbereitschaft, enge Manndeckung und gute Abwehrarbeit. Dennoch verfügt Ventspils über einige Individualisten, die technisch versiert sind und schnell den Torabschluss suchen. Für zusätzlichen Qualitätsverlust bei den Berlinern sorgt außerdem das große Verletzungspech: Nach Neuzugang Kringe (Mittelfußbruch) fallen auch Lustenberger (Aufbautraining nach Mittelfußbruch), Kacar (Muskelquetschung im Oberschenkel) und Wichniarek (Leistenzerrung) aus. Über die Einsätze von Raffael und Ebert wird dagegen erst kurzfristig vor Spielbeginn entschieden. Ob die Letten personell aus den Vollen schöpfen können, ist indes noch fraglich. Jüngsten Meldungen zufolge wurden mit Stürmer Vits Rimkus und Verteidiger Deniss Kacanovs zwei wichtige Führungsspieler suspendiert. Ihnen wird vorgeworfen, in der Qualifikation zur UEFA-Champions-League gegen den FC Zürich große Summen gegen die eigene Mannschaft gesetzt zu haben. Der Pressesprecher des FK Ventspils bestätigten zwar die Nachricht, wollten aber keinerlei Kommentar abgeben. So bleibt viel Raum für Spekulationen. Niemand weiß genau, wie lange die Suspendierung gilt. Trotz aller Verborgenheiten um den lettischen Meister verzichteten die Berliner darauf, einen Scout nach Ventspils zu schicken. Der Verzicht auf die Spielbeobachtung zeigt bereits, dass die Berliner heute an ihrer Überheblichkeit scheitern könnten.
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