Vorschau: Alle 18 Teams im Saison-Check
Bundesliga
/ Torsten Kahl / 07 August 2009 / Kommentar schreiben Wettbonus

Der Ball rollt endlich wieder. Hier die Prognose für alle Bundesliga-Mannschaften und ihre Erfolgsaussichten in der neuen Saison.
Der FC Bayern München geht wie jedes Jahr als Meisterschaftsfavorit ins Rennen. Nach einer insgesamt enttäuschenden Bundesliga-Saison 2008/2009, bei der erst am letzten Spieltag die Champions-League-Qualifikation erreicht wurde, wäre alles andere als der Meistertitel nicht mit dem Selbstverständnis des Nobelklubs vereinbar. Hierfür wurde kräftig investiert, kam u.a. mit Gomez der erfolgreichste deutsche Torjäger und mit Tymoshchuk ein Leader für das zentrale defensive Mittelfeld (der sich jedoch momentan primär auf der Bank wiederfindet). Auch die spielerischen und läuferischen Stärken von Olic könnten sich positiv auf das Offensivspiel der Münchner auswirken, stehen doch ansonsten mit Klose, Toni und Gomez eher drei Stoßstürmer in der Angriffsreihe. Abzuwarten bleibt, ob die übrigen Neuzugänge wie Pranjic, Braafheid und Görlitz das nötige Niveau erreichen werden.
Unter dem neuen Trainer Louis van Gaal soll zudem der von Jürgen Klinsmann zwar häufig versprochene, aber zu selten umgesetzte Offensivfußball zelebriert werden. Das hierfür notwendige Spielermaterial ist vorhanden, zumal das wochenlange Wechseltheater um Ribery endgültig beendet scheint. Dennoch werden auch dieser neue Trainerstab sowie die in allen Mannschaftsteilen neu bestückte Mannschaft ihre Anlaufzeit benötigen. Auch müssen die Abgänge der jahrelang gesetzten Leistungsträger Lucio und Ze Roberto erstmal gleichwertig ersetzt werden, dazu fehlt noch eine überzeugende Lösung für die Schwachstelle auf der rechten Außenverteidigerposition.
Prognose: Die Meisterschaft führt nur über den FC Bayern. Sollte Disziplinfanatiker van Gaal sein Team im Griff haben und der verstärkte Konkurrenzkampf im Team sich positiv auswirken, kann der Deutsche Meister 2010 nur FC Bayern heißen.
Der Hamburger SV geht mal wieder mit einem neuen Trainer in die Saison: der allseits hochgeschätzte Martin Jol entschloss sich zur kurzfristigen Rückkehr in seine Heimat. Sein Ansehen hatte allerdings zuvor bereits durch das Schwächeln der Mannschaft am Saisonende sowie das Scheitern in allen drei Wettbewerben gelitten. Nun soll es der ehemalige Spieler Bruno Labbadia richten, der nach einer sehr durchwachsenen Saison bei Bayer Leverkusen von Beginn an mit Argusaugen beobachtet werden dürfte.
Nachdem auf dem Transfermarkt lange Zeit Ebbe herrschte, kann sich die Bilanz zum jetzigen Zeitpunkt sehen lassen: mit Olic verließ nur ein - dafür allerdings überaus wichtiger - Stammspieler das Team. Die Offensive wurde mit dem jungen schwedischen Mittelstürmer Berg sowie Außenstürmer Elia teuer und hochkarätig verstärkt. Beide Spieler stehen allerdings noch am Beginn einer hoffnungsvollen Karriere und müssen gesteigertes Bundesliganiveau erst noch nachweisen. Erhaben über jeden Zweifel ist hingegen Ze Roberto als Topverstärkung für das Kreativzentrum. Dieser könnte als Taktgeber mit Jarolim, Jansen, Trochowski und Pitroipa eine der spielstärksten Mittelfeld-Reihen der Bundesliga bilden. Viele junge Spieler wie auch Aogo oder Boateng werden aber immer wieder verständlichen Leistungsschwankungen unterworfen sein.
Prognose: Wenn Neu-Trainer Labbadia ein guter Start gelingt und der Personalmangel in der Innenverteidigung mittels Rozehnal kompensiert werden kann, ist (fast) alles möglich. Platz 2- 4 sollte machbar sein.
Beim VfB Stuttgart geht Markus Babbel in seine erste komplette Saison als Cheftrainer. Nach der überaus erfolgreichen Rückrunde der abgelaufenen Saison, als von einem Mittelfeldplatz aus noch die Champions-League-Plätze und kurzzeitig sogar die Deutsche Meisterschaft angegriffen wurden, hat dieser bei Verein und Fans einen riesigen Bonus. Schwer wiegt auf jeden Fall der Verlust von Torgarant Gomez, der in schwächeren und engen Spielen regelmäßig den Unterschied ausmachte. Anzuwarten bleibt, ob er durch Neuzugang Pogrebnyak adäquat ersetzt werden kann.
Darüber hinaus wurde kein Leistungsträger abgegeben, mit Rückkehrer Hleb kam eine weitere namhafte Verstärkung ins Schwabenland. Die Hauptaufgabe dürfte aber ohnehin darin liegen, die unzähligen jungen, hochtalentierten Spieler (Tasci, Niedermeier, Träsch, Gebhart, Celozzi, Khedira, Schieber, Rudy) weiter auszubilden und zu entwickeln. Die Mittelfeldachse mit Hitzlsperger und Khedira muss die starken Leistungen der vergangenen Saison nun erneut bestätigen, auch mit dem persönlichen Ziel der WM-Teilnehme vor Augen.
Prognose: Treten die "jungen Wilden" weiterhin so lernwillig und hochmotiviert auf und kann der Gomez-Nachfolger seine Klasse auch beim VfB zeigen, ist für Stuttgart erneut ein internationaler Platz (3-5) möglich.
Der amtierende Deutsche Meister VfL Wolfsburg steht vor der spannendsten und schwersten Saison seiner Vereinsgeschichte. Nach dem sensationellen Titelgewinn und erstmaliger Qualifikation für die Champions League werden die Wölfe vom 1. Spieltag an gejagt. Magath-Nachfolger Armin Veh ist ein akribischer Fußballlehrer, auch er wird jedoch nicht verhindern können, dass die Leistungen seiner Mannschaft immer wieder mit denen des Vorjahres verglichen werden. Ein ähnlich fantastischer Lauf wie in der abgelaufenen Rückrunde ist keinem Team ein zweites Mal zuzutrauen. Zudem werden sich die gegnerischen Abwehrreihen noch intensiver mit dem Sturmduo Grafite und Dzeko auseinandersetzen, auch für Top-Vorbereiter Misimovic dürfte es diese Saison nicht einfacher werden.
Gleichwohl bleibt die Mannschaft erstklassig besetzt: kein einziger Stammspieler wurde abgegeben, das mittlerweile bestens eingespielte Team blieb zusammen und wurde durch die Mittelfeld-Spieler Ziani, Kahlenberg und Johnson sinnvoll verstärkt. Abzuwarten bleibt, wie die Dreifachbelastung gelingt - der Kader scheint groß und ausgeglichen genug, mit Martins wurde nun auch ein dritter Stürmer von internationaler Klasse verpflichtet.
Prognose: Aufgrund der deutlich gestiegenen Erwartungshaltung in und um Wolfsburg muß Trainer Veh auf einen guten Start hoffen, um sich dem langen Schatten des Felix Magath zu entziehen. Gelingt dies und bleiben die Leistungsträger Barzagli, Josue, Misimovic, Dzeko und Grafite von langwierigen Verletzungen verschont, ist wieder ein internationaler Platz, evtl. sogar unter den Top 3 möglich.
Werder Bremen ist so etwas wie die große Unbekannte der neuen Saison. Nach der überaus enttäuschenden letzten Saison mit Rang 10 und dem Abgang von Superstar Diego könnte Mittelmaß in Bremen zum Dauerzustand werden. Zudem droht der erneute Weggang von Toptorjäger Pizarro - die Verhandlungen mit "Eigentümer" FC Chelsea gestalten sich höchst schwierig. Dennoch ist die Mannschaft nach wie vor sehr gut besetzt und wird vom 1. Spieltag an auf Wiedergutmachung für die abgelaufene Saison aus sein. Die Abwehr um Wiese, Mertesacker und Naldo bleibt quasi unverändert und sollte sich - langwierige Verletzungen ausgenommen - deutlich sattelfester als zuletzt präsentieren.
Ein großes Loch tut sich im Mittelfeld auf, da neben Diego auch Baumann und Tziolis wegfallen. Mit dem neuen Kapitän Frings sowie Özil sind nur zwei Akteure gesetzt, dessen U21-Kollege Marin, für über 8 Millionen Euro Ablöse aus Mönchengladbach gekommen, muss sich erst nachhaltig beweisen, zählte er doch schließlich nicht einmal bei seinem bisherigen Klub uneingeschränkt zum Stammpersonal. Jensen zeigt sich extrem verletzungsanfällig, den Talenten wie Boenisch, Niemeyer, Hunt und Harnik sollte langsam der Durchbruch gelingen. Auch die Leistungen der Angreifer Rosenberg und Almeida weisen zu große Schwankungen auf.
Prognose: Um sich wieder in der Bundesliga-Spitzengruppe zurückmelden zu können, ist die beabsichtigte Rückholaktion von Pizarro unabdingbar. Dies, sowie eine verletzungsfreie Saison der Achse Wiese - Mertesacker - Frings - Özil vorausgesetzt, sind die Europa-League-Plätze mit Tuchfühlung zur Champions-League möglich, Platz 4 bis 6.
Der FC Schalke 04 steht erneut vor einem Umbruch: mit Meistertrainer Felix Magath wurde mal wieder ein neuer Coach verpflichtet, der allerdings ungleich höhere Erwartungen bei Verein und Fans weckt als seine Vorgänger. Ihm steht ein Kader zur Verfügung, der zweifellos größeres Potenzial aufweist, als dies in den vergangenen Jahren offensichtlich wurde. Auf kostspielige und namhafte Neuverpflichtungen wurde bislang - auch aus Kostengründen - verzichtet. Die Neuen wie Holtby, der Grieche Pliatsikas oder der Tscheche Moravek sind allesamt sehr talentiert, aber auf Bundesliganiveau bislang noch ohne Leistungsnachweis. Hauptaufgabe von Magath wird aber ohnehin sein, dem in der Vergangenheit immer wieder launisch und halbherzig auftretenden Kader die dringend nötige Konstanz und Siegermentalität einzuimpfen. Die Abwehr mit Neuer, Rafinha, Höwedes, Westermann, Bordon und Pander hat bereits internationale Klasse. Probleme könnte - qualitativ und quantitativ - vor allem das Mittelfeld bereiten, insbesondere nach der langwierigen Verletzung von Jones. Im Angriff bzw. offensiven Mittelfeld sollten Farfan und Altintop ihr Potenzial endlich komplett ausschöpfen und dem einzigen Torgaranten Kuranyi besser unterstützen.
Prognose: Wenn endlich die notwendige Leistungskonstanz auf Schalke einzieht und sich die jungen Neuverpflichtungen gleich als Verstärkungen erweisen, ist ein Europa-League-Platz möglich. Mehr ist trotz des allgegenwärtigen Felix Magath (noch) nicht drin.
Das Tabellenmittelfeld mit den Geheimfavoriten Dortmund und Leverkusen
Die TSG Hoffenheim geht in ihr zweites Jahr der Zugehörigkeit zur höchsten deutschen Spielklasse. Das Premierenjahr glich einer einzigartigen Berg- und Talfahrt: nach der Hinrunde noch umjubelter Tabellenführer, folgte in der Rückserie eine wochenlange Durststrecke und der Absturz bis auf Platz 10. Erst gegen Saisonende konnte wieder vereinzelt an die Leistungen aus 2008 angeknüpft werden. Nun geht es mit neuer Motivation, gleichem Stammpersonal und dem wieder genesenen Torjäger Ibisevic in die neue Spielzeit. Der nach wie vor sehr junge und entwicklungsfähige Kader wurde mit den erfahrenen Abwehrspielern Eichner und vor allem Simunic sinnvoll verstärkt. Hinzu kam mit Maicosuel und Zuculini erneut zwei "Rohdiamanten" aus Südamerika.
Insbesondere mit Innenverteidiger und Führungsfigur Simunic sollte mehr Konstanz in den Leistungen Einzug halten. Auf den Überraschungseffekt und die Anfangseuphorie der Premierensaison kann jedoch nicht mehr bauen werden. Coach Ralf Rangnick wird weiterhin die systematische Förderung und Weiterentwicklung der jüngsten Mannschaft der Liga betreiben.
Prognose: Die Kraichgauer dürften in der ersten Bundesligahälfte gesetzt sein. Das langfristige Potenzial ist überragend, für diese Saison ist ein Platz zwischen 5 bis 8 realistisch.
Bei Borussia Dortmund wird Jürgen Klopp seinen konsequenten Um- und Aufbau einer neuen Mannschaft weiterhin fortsetzen. Dieser endete in der ersten Saison unter dem Ex-Mainzer fast schon mit der Qualifikation für die Europa League. Das Ticket wurde den Borussen vom HSV erst in allerletzter Minute weggeschnappt. Aufgrund des Aufrüstens der Konkurrenz wird ein ähnlich gutes Abschneiden in der neuen Saison extrem schwierig. Vor allem auch deshalb, da der BVB - scheinbar ohne große Gegenwehr - den langjährigen Torgaranten Frei ziehen ließ. Die Vorliebe Klopps für lauf- und pressingstarke Angreifer ist bekannt, diese Personalie reißt erst einmal ein großes Loch in die Offensivreihe, die nun vom „Welttorjäger" Barrios geschlossen werden soll.
Ansonsten wurde der Kader weitestgehend zusammengehalten und mit jungen Talenten (Kullmann, Bender, Großkreutz) sowie den bundesligaerfahrenen Feulner und Rangelov ergänzt. Speziell in den Heimspielen wird die Motivation groß sein, die unzähligen Unentschieden der vergangenen Saison in mehr Siege umzuwandeln. Hierbei schmerzt der erneute Ausfall des verletzungsanfälligen Kapitäns Sebastian Kehl.
Prognose: Die spiel- und kampfstarke Mannschaft wird weiterhin eine positive Entwicklung nehmen. Ein internationaler Platz wäre in dieser Saison natürlich ein großer Erfolg, haben doch andere Mannschaften viel mehr investiert. Bleibt der nicht sehr breite Kader von Verletzungen verschont, ist für den BVB ein Platz zwischen 5-8 möglich.
Bayer 04 Leverkusen hat auf eine unter dem Strich enttäuschende Saison mit dem totalen Stilbruch auf der Trainerposition reagiert: auf den innovativen und ehrgeizigen Bruno Labbadia aus dem Lager der jungen Trainergilde folgt der "Altmeister" Jupp Heynckes. Dieser konnte auf seinen letzten Bundesliga-Stationen in Frankfurt, Schalke und Gladbach keine Erfolge vorweisen, brachte sich aber mit seinem erfolgreichen Kurzgastspiel bei Bayern München wieder ins Gespräch und verspürt jetzt plötzlich wieder "Feuer". Zur Verfügung steht ihm ein junger und sehr talentierter Kader, der nun jedoch zwingend den nächsten Schritt in seiner Entwicklung machen muss. Teils glänzenden spielerischen Auftritten folgen immer wieder emotionsarme und uninspirierte Leistungen.
Zum Vorteil für die Bayer-Elf könnte die Eingespieltheit werden, denn außer dem nach Barcelona zurückgekehrten Henrique - der in der Innenverteidigung durch den finnischen Haudegen Hyypiä ersetzt werden dürfte - blieb der Stamm zusammen und wurde mit dem Schweizer Nationalspieler Derdiyok und dem Freiburger Schwaab durch zwei junge Profis verstärkt. Mit dem Karrierende von Schneider fällt allerdings eine der letzten wirklich erfahrenen Führungspersönlichkeiten weg, wenngleich dieser in den vergangenen eineinhalb Jahren verletzungsbedingt fast nur noch außerhalb des Platzes einwirken konnte. Trotz teils überragend veranlagter Einzelkönner wie Renato Augusto, Vidal und Barnetta drängt sich auch in der neuen Saison der Verdacht auf, dass dieser Mannschaft das "gewisse Etwas", ein echter Leadertyp sowie der unbedingte Siegeswille fehlt. Zudem wiegt der lange Ausfall des kreuzbandverletzten Nationalspielers Helmes schwer.
Prognose: Gelingt es Jupp Heynckes, seiner neuen Mannschaft endlich mehr Konstanz und Erfolgshunger einzuimpfen sowie die vielen jungen Spieler weiter voran zu bringen, kann an den vorderen Plätzen gekratzt werden. Unsere Tendenz geht jedoch in Richtung 7 bis 9.
Bei Hertha BSC hat sich die Euphorie über eine in weiten Teilen sehr gute letzte Saison schnell gelegt: Dem erzwungenen Abschied von Macher Dieter Hoeneß folgte das Wegbrechen der Korsettstangen Simunic, Voronin und Pantelic. Da auf der Gegenseite die nötigen finanziellen Mittel für den Einkauf gleichwertiger Akteure fehlt, steht die Hertha vor einer schweren Saison. Zudem ist die Erwartungshaltung nach der letzten Saison weiter gestiegen, als bis zum letzten Spieltag sogar die Champions League erreichbar war, die Mannschaft jedoch häufig von Spielglück und der erstklassigen taktischen Ausrichtung von Trainer Lucien Favre profitierte. Die begrenzten Möglichkeiten wurden letzte Saison mehr als ausgereizt.
Nun besteht die Gelegenheit, die jungen Leistungsträger wie Ebert, Kacar, Stein und Cicero weiter zu entwickeln sowie auf den Durchbruch eines Offensivspielers wie Domovchiyski oder Chermiti zu hoffen. Zudem müssen die altbewährten Stützen wie Friedrich und Dardei noch mehr Verantwortung übernehmen. Für Neuzugang Wichniarek sind bei seinem 2. Berlin-Anlauf die Schatten von Pantelic und Voronin unendlich groß. Er wird sich bereits darauf einstellen müssen, ähnlich wie in Bielefeld vorn häufig allein auf weiter Flur zu stehen.
Prognose: Ohne eine weitere, durchschlagskräftige Angriffsverstärkung wird Hertha BSC wieder im Mittelmaß versinken. Daran kann auch der oft unterschätzte Taktikfuchs Favre kaum etwas ändern. Wir erwarten die Berliner zwischen Platz 7 und 10.
Der 1. FC Köln steht als letztjähriger Aufsteiger nun vor seiner 2. Saison im Oberhaus und musste sich direkt wieder einen neuen Trainer suchen: der „Hals-über-Kopf-Abgang" von Christoph Daum Richtung Istanbul passt zu dessen Eigenarten. In dem langjährigen Kapitän des VfB Stuttgart, Zvonimir Soldo, setzen die Kölner nun auch auf einen jungen und innovativen Übungsleiter, der seine erste Trainerstation in der Bundesliga mit größtmöglichem Ehrgeiz angehen wird. Zur Verfügung steht ihm hierbei eine weitgehend eingespielte Mannschaft, die lediglich die Abgänge der Ergänzungsspieler Vucicevic, Broich und Scherz zu verkraften hat. Dazu kommen mit dem jungen Abwehrspieler Schorch, dem talentierten Freis, dem portugiesischen Nationalspieler Maniche und natürlich dem alle in den Schatten stellenden Podolski nennenswerte Verstärkungen.
Der „Poldi-Hype" in und um Köln kann Fluch und Segen zugleich sein: sollte der Nationalstürmer die übergroßen Erwartungen nicht erfüllen können, wird eventuell schnell eine allgemeine Depression am Geißbockheim ausbrechen. Andererseits haben in seinem Schatten viele andere Spieler die Möglichkeit, sich größtenteils unbemerkt weiter zu entwickeln und somit von dieser „One-Man-Show" zu profitieren. Interessant wird sein, ob der internationale Klassefußballer Maniche an neuer Wirkungsstätte und an der Seite seines Freundes und Landmannes Petit wieder zu alter Form aufläuft. Mit der Achse Geromel - Petit - Podolski - Novakovic sind die Kölner überdurchschnittlich besetzt. Soldo's Aufgabe wird es sein, mehr Konstanz in die zuletzt stark schwankenden Leistungen des Teams zu bringen und insbesondere für die treuen Fans an der Heimbilanz zu feilen.
Prognose: Sollte Podolski an alter Wirkungsstätte tatsächlich aufblühen, Altstar Maniche seinen zweiten Frühling erleben und Soldo auch als Trainer mit seiner strategisch-taktischen Vorgehensweise überzeugen, könnten die Kölner als Überraschungsteam in die erste Tabellenhälfte rutschen. Ansonsten ist Mittelmaß in sicherer Entfernung zu den Abstiegsrängen angesagt, sprich Platz 9-12.
Bei Eintracht Frankfurt ging eine kleine Ära zu Ende: Friedhelm Funkel hielt sich 5 Jahre auf dem einstigen "Schleudersitz", führte die Eintracht zurück in die erste Liga und etablierte sie im Oberhaus. Auf ihn folgt mit Michael Skibbe nun ebenfalls ein ruhiger, sachlicher Trainertyp, der eine weitere Stagnation möglichst verhindert soll. Er arbeitet mit einer gewachsenen, bundesligaerfahrenen Mannschaft zusammen. Diese wurde mit dem jungen Schlussmann Fährmann, dem robusten und ehrgeizigen Innenverteidiger Franz sowie den beiden Mittelfeldspielern Schwegler und Teber eher unspektakulär, aber durchaus sinnvoll verstärkt. Die Abwehrreihe in Gestalt von Spycher, Russ, Ochs und Franz steht für solides Erstliganiveau mit weiterem Steigerungspotenzial.
Ähnliches gilt für Mittelfeld und Abwehr, wobei ein großes Augenmerk darauf liegen wird, ob es Skibbe gelingt, das in der Vergangenheit zu oft brach liegende spielerische Element wieder mehr zu aktivieren. Hier stehen mit Meier, Chris, Korkmaz und vor allem Fenin und Caio hochveranlagte Spieler zu Verfügung. Ex-Mannschaftskapitän Amanatidis zeigt sich nach wie vor sehr verletzungsanfällig, die knappe Angriffsbesetzung könnte sich daher noch als Schwachstelle entpuppen.
Prognose: Ob der akribische Fußballkenner Skibbe besser zu dem nach wir vor (zu) anspruchsvollen und emotionalen Umfeld der Eintracht passt als sein Vorgänger, wird sich erst weisen. Sollte er die Chance bekommen, das Team mittelfristig weiter zu entwickeln, könnte es eine erfolgreiche Zusammenarbeit werden. In dieser Saison ist eine bessere Platzierung als "jenseits von Gut und Böse" jedoch kaum möglich, ergo Platz 10-12.
Neben den Aufsteigern auch Hannover, Bochum und Gladbach in Abstiegsgefahr?
Bei Hannover 96 hofft man Jahr für Jahr auf die ultimative Aufbruchstimmung Richtung Bundesliga-Spitzengruppe und internationales Geschäft. Die Entwicklung der Mannschaft kann mit diesem Anspruchsdenken rund um die AWD-Arena allerdings in keiner Weise mithalten. Zumindest hat man sich gegenüber früheren, turbulenten Zeiten darauf besonnen, einen Trainer längerfristig arbeiten zu lassen: Dieter Hecking ist bereits seit knapp 3 Jahren Chefcoach der Niedersachsen. Sein Sachverstand und seine meist ruhige und besonnene Art sorgen nach wie vor für ein hohes Ansehen, auch wenn das Pokal-Aus in Lübeck und die blamable 1:2-Testspielniederlage beim Sechstligisten (!) Wismar schon jetzt für Unruhe sorgt. Dazu ist es ihm in der abgelaufenen Saison nicht gelungen, sein Team weiter nach vorne zu bringen und positive Entwicklungen anzuschieben.
Nun geht man mit einem nahezu unveränderten Kader ins neue Spieljahr: mit B. Schulz, Fahrenhorst oder Yankow wurden eher Ergänzungsspieler abgegeben, die beiden Ex-Leverkusener Abwehrspieler Haggui und Djakpa sind noch die prominentesten Zugänge und dürften am ehesten die Aussicht auf einen Stammplatz haben. Hier liegt auch schon das Hauptproblem von Hecking: die "Schießbude der Liga" endlich sattelfester zu machen. Nicht auszudenken, wo heute die 96er ohne ihren Nationaltorhüter Robert Enke stehen würden. Weiteres wichtiges Augenmerk dürfte darauf liegen, bei den als Leistungsträgern vorgesehenen Spielern wie Balitsch, Bruggink, Andreasen oder Schlaudraff endlich für mehr Leistungskonstanz zu sorgen. Die oftmals unberechenbare und launische Offensive mit Hanke, Forssell, Schlaudraff und Stajner bleibt eine "Wundertüte".
Prognose: Hannover 96 wird sich wiederum im hinteren Mittelmaß einordnen. Falls nicht noch die erhoffte und dringend notwendige Verstärkung des Angriffs gelingt, könnte man sogar in Abstiegsgefahr geraten.
Auch beim VfL Bochum blieb eine große Spielerfluktuation aus, kein Stammspieler wurde abgegeben, im Gegenzug mit dem schwedischen Mittelfeldspieler Johansson und dem slowakischen Angreifer Dedic aber zwei neue Hoffnungsträger verpflichtet. Trainer Marcel Koller bleibt zwar nicht unumstritten, hat - gemessen an den bescheidenen Mitteln des VFL - in den vergangenen Jahren jedoch hervorragende Arbeit geleistet. Stark vor allem die vergangene Rückrunde, als aus fast aussichtsloser Position des Tabellenletzten letztlich noch recht souverän der Klassenerhalt gesichert wurde.
Gleichzeitig wurden junge, talentierte Spieler wie C. Fuchs, Mavraj und Grote weiter gefördert, womit die Mischung in der Mannschaft weiterhin bestehen bleibt. Mit gestandenen Erstligaspielern wie Maltritz, Dabrowski, Freier, Azaouagh und Sestak ist das Bochumer Team normalerweise zu stark besetzt, um in ernsthafte Abstiegsgefahr zu geraten. Zu hoffen wäre, dass im Angriff entweder Neuzugang Dedic oder einer der "Altstars" Klimowicz und Hashemian zu guter Form findet und somit Torjäger Sestak entlastet wird.
Prognose: Bleibt der VfL - im Gegensatz zur letztjährigen Hinrunde - von größeren Verletzungen der Leistungsträger verschont und zeichnet sich die sportliche Leitung bei „Wellentälern" erneut durch Ruhe und Besonnenheit aus, ist der Abstieg kein Thema. Mehr als ein hinterer Mittelfeldplatz allerdings auch nicht, wir erwarten Platz 13- 15.
Der 1. FC Nürnberg ist zurück in Liga 1. Damit war in der abgelaufenen Saison lange nicht zu rechnen, doch die kontinuierliche Weiterentwicklung der Mannschaft unter Neutrainer Michael Oenning sowie ein starker Schlußspurt inklusive Siegen in den Relegationsspielen gegen Energie Cottbus sicherten die direkte Rückkehr ins Oberhaus. Dort vertraut man in erster Linie dem jungen Aufsteigerteam zuzüglich Rückkehrer Charisteas und dem erfahrenen Mittelfeldspieler Broich. Eine Lücke hinterlässt der nach Leverkusen zurückgekehrte Verteidiger Reinertz.
Dieser spielte, wie so viele weitere Talente an seiner Seite, eine sensationelle Rückrunde in der 2. Bundesliga. Ob diese junge Mannschaft ihre positive Entwicklung auch im Abstiegskampf der 1. Bundesliga wird fortführen können, bleibt abzuwarten. Mit Keeper Schäfer, Wolf, Pinola, Kluge und Mintal verfügen die „Clubberer" jedoch über eine Achse, die ihre Bundesligatauglichkeit bereits unter Beweis gestellt hat. An diesen müssen sich die "jungen Wilden" wie Maroh, Diekmeier, Judt, Risse, Frantz und Gündogan orientieren. Verlassen können sich die Franken in jedem Fall auf Ihre Fans, vor meist vollen Rängen sollen zu Hause die entscheidenden Punkte für den Klassenerhalt eingefahren werden.
Prognose: Rückschläge müssen mit dieser jungen Mannschaft jederzeit einkalkuliert werden. Stärken Trainer Oenning und Manager Bader auch in diesen Zeiten das Vertrauen ins Team, ist Platz 14 bis 16 und somit der Klassenverbleib möglich. Dafür muss sich jedoch der Angriff um Eigler, Boakye und Charisteas steigern und darf sich nicht auf die Treffer von Ex-Torschützenkönig Mintal verlassen.
Der 1. FSV Mainz 05 gibt sein zweites Gastspiel im Fußball-Oberhaus. Nach den ersten drei Jahren (2004-2007) unter Kulttrainer Jürgen Klopp soll der Aufenthalt auch dieses Mal länger als nur eine Saison andauern. Zumal in der darauffolgenden Spielzeit der Umzug in die bereits im Bau befindliche neue „Coface-Arena" winkt. Doch die fast sensationelle Entlassung von Aufstiegstrainer Jörn Andersen kurz vor Saisonbeginn bringt die Planungen natürlich durcheinander, nun soll „Trainer-Underdog" Thomas Tuchel die Mannschaft führen.
Gegenüber der Vorsaison, als die Mannschaft zu selten als Team überzeugen konnte und meist die individuellen Vorteile die entscheidenden Unterschiede ausmachten, verließ mit Feulner nur ein Leistungsträger den Verein. Dessen Verlust allerdings wiegt schwer, war er doch Dreh- und Angelpunkt des Mainzer Spiels und der überragende Zweitligaspieler schlechthin. Das Mittelfeld wurde jedoch mit Polanski, Trojan und Ivanschitz sinnvoll und für Mainzer Verhältnisse durchaus hochkarätig verstärkt. Insbesondere der österreichische Nationalspieler Ivanschitz, der von Panathinaikos Athen zum Bruchweg kam, soll der Mainzer Offensive Impulse verleihen und das spielerische Niveau erhöhen.
In der gewachsenen Mannschaft könnte er sich sehr schnell zurecht finden. Viele Akteure verfügen bereits über Erstliga-Erfahrung, gar 14 Spieler sind oder waren für ihre jeweiligen Nationalmannschaften regelmäßig im Einsatz. Diese geballte Erfahrung, gepaart mit dem Bewusstsein, dass vom 1. Spieltag an nur der Klassenerhalt das alleinige Ziel sein kann, könnte sich für die Mainzer als Vorteil erweisen. Die Achse um Kapitän Wache, Noveski, Karhan und Torjäger Bance hat zweifellos das Potenzial, in der Bundesliga wettbewerbsfähig zu sein. Vor dem Saisonstart werden die 05er allerdings wieder einmal von einem selten erlebten Verletzungspech heimgesucht: bis zu 14 Spieler waren oder sind derzeit krankheits- und verletzungsbedingt nicht einsatzfähig, was übrigens auch Ex-Trainer Andersen und dessen harten Vorbereitung angelastet wurde.
Prognose: Sollte sich der besorgniserregende Kranken- und Verletztenstand im Laufe der ersten Saisonwochen bessern und sich die Neuzugänge als die erhofften Verstärkungen erweisen, so ist das Ziel Klassenerhalt möglich. Abzuwarten bleibt natürlich die Entwicklung unter dem neuen Coach, dazu muss auch die unerklärliche Heimschwäche der vergangenen Spielzeit abgelegt
werden.
Bei Borussia Mönchengladbach steht mal wieder ein Umbruch an: nach dem erfolgreich bewerkstelligten Projekt Klassenerhalt verabschiedete sich Hans Meyer freiwillig aufs Altenteil. Ausgerechnet Michael Frontzeck, kurz zuvor mit Arminia Bielefeld abgestiegen, wird nun zugetraut, die Fohlen in der Bundesliga weiter zu etablieren. Als langjähriger Ex-Borusse wurde er mit offenen Armen empfangen und darf daher sicher mit einem kleinen Bonus starten. Ob er die steigende Erwartungshaltung rund um den immer sehr gut besuchten Borussenpark aber wird erfüllen können, wird sich zeigen. Mönchengladbach verlor gegenüber der Vorsaison 3- 4 wichtige Spieler, u.a. muss der Verlust des in der Rückrunde defensiv stabilisierend wirkenden Galasek weggesteckt werden.
Besonders bitter aber für die Fans wirkt der Verlust der Jungstars Marin und Baumjohann, wenn gleich diese im Abstiegskampf nicht regelmäßig ihr großes Potenzial einbringen konnten. Investiert wurde vor allem in den venezolanischen Mittelfeldtechniker Arango und den argentinischen Angreifer Bobadilla. Dieser soll die Ladehemmung in der Offensive beheben, wo die verletzungsanfälligen Neuville und Friend keine verlässlichen Größen darstellen. In der Mannschaft fehlen - wie schon häufig in den vergangenen Jahren - fast völlig die richtigen Identifikationsfiguren für die treue Anhängerschaft. Zudem wiegt der verletzungsbedingte Ausfall von Torhüter Bailly in der Anfangsphase der Meisterschaft schwer.
Prognose: Borussia Mönchengladbach steht erneut vor einer schweren Saison. Sollten die Neuzugänge einschlagen und vor heimischem Publikum regelmäßig gepunktet werden, ist der Klassenerhalt möglich, ansonsten geht es bis zum Saisonende gegen den Abstieg. Mehr als Rang 15 wird aber nicht drin sein.
Der SC Freiburg kehrt als Zweitliga-Meister in der Fußball-Bundesliga zurück. Die kontinuierliche Aufbauarbeit von Robin Dutt über die vergangenen 2 Jahre hinweg zahlte sich überaus erfolgreich aus. Die Breisgauer überzeugen mittlerweile, im Gegensatz zu früheren Zeiten, auch immer häufiger mit abgeklärtem Ergebnisfußball. Nun wird sich zeigen, wie sich der von Dutt propagierte Offensivgeist im Oberhaus durchsetzen kann. Das Aufsteigerteam verlor mit Junioren-Nationalspieler Schwaab nur einen Leistungsträger, hinzu kommt allerdings der vermutlich noch längerfristige Ausfall von Innenverteidiger und Senkrechtstarter Toprak.
Im Gegenzug sicherte man sich die Dienste von Makiadi und Reisinger, zwei der besten Zweitligaangreifer der abgelaufenen Spielzeit. Die freigewordenen Planstellen im Abwehrbereich sollen durch die Zugänge Bastians, Mujdza und Cha besetzt werden. Geballte Erstligaerfahrung ist dem Kader nicht unbedingt zuzusprechen, außer Kapitän Butscher und Mittelfeldruhepol Banovic fehlen die ganz erfahrenen Kämpen im Team der Breisgauer. Die Mannschaft ist jedoch eingespielt, taktisch immer erstklassig eingestellt und könnte mit ihrem erfrischenden Stil für Überraschungen gut sein.
Prognose: Nach dem Gewinn der Zweitliga-Meisterschaft wird das Team mit einer riesigen Motivation in die Saison gehen. Im Laufe einer langen Spielzeit und im sich immer weiter zuspitzenden Abstiegskampf könnte sich die fehlende Erfahrung allerdings als entscheidender Nachteil erweisen.
Torsten Kahl ist Autor bei "Bet for Success", http://www.bet-for-success.de