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Van Gaal, der bayerische Märchenkönig

Bundesliga RSS / Benjamin Heisenberg / 07 August 2009 / Kommentar schreiben Wettbonus

Systemwechsel beim Rekordmeister. Zuchtmeister van Gaal hat Reform-Sunnyboy Klinsmann ersetzt. Hier meine Analyse, warum diese Entscheidung für die Bayern der einzig sinnvolle Richtungswechsel war, um in die Erfolgsspur zurück zu kommen.

Er kam, sah und wurde entlassen: Jürgen Klinsmann, der Autor des Sömmermärchens 2006, war angetreten, um den FC Bayern und den deutschen Fußball zu revolutionieren. Dabei hatte der Ex-Bundestrainer stets betont, dass es mehrere Jahre dauern könnte, bis seine Philosophie greife. Es brauche eben Zeit, um die alten Strukturen aufzubrechen, neue Trainingsmethoden zu etablieren und dem erfolgreichsten deutschen Verein ein neues Gesicht zu verleihen. Doch beim FC Bayern, wo der Erfolg auf der Prioritätenliste ganz oben angesiedelt ist, hat man keine Zeit. Der erwartete Erfolg musste unter Reformator Klinsmann zu viel leiden, so dass der Vorstand gezwungen war, aus Verantwortung dem Klub gegenüber zu handeln. Nach 302 Tagen „klinsmännischer" Amtszeit zogen Rummenigge und Co. die Reißleine. Zu Recht? Die nackten Zahlen sprachen jedenfalls gegen Klinsmann. Noch vor einem Jahr waren die Bayern 34 Spieltage lang Tabellenführer. Unter Klinsmann hatte der ehemalige Ligaprimus nicht ein Mal den Platz an der Sonne inne. Zudem hat das erfolgsverwöhnte Star-Ensemble von der Isar alle entscheidenden Spiele verloren, beim HSV (18. Spieltag), in Wolfsburg (26. Spieltag) und gegen den FC Barcelona. Insbesondere der blamable Auftritt der „Klinsmänner" in der Champions-League gab den Bayern-Bossen zu denken. Die „Hardware", so nannte es Manager und Bayern-Macher Uli Hoeneß, stimmte zwar, die „Software" allerdings nicht. Ein Baumeister war Klinsmann mit modernem Design, doch seine sportlichen Hinterlassenschaften sind spärlich. Klinsmann, der Reformer, war mit der Maßgabe angetreten, „jeden Spieler jeden Tag ein bisschen besser zu machen". Ein Satz, der ihm letztendlich zum Verhängnis wurde. Er begründete keine Ära, vom angekündigten Offensivfußball, von verschiedenen Spielsystemen sah man nur selten etwas. Klinsmann und der FC Bayern - das war ein zehnmonatiges Experiment, ein teures Missverständnis, das scheiterte und das ein Imageverlust auf beiden Seiten zur Folge hat. Bei Klinsmann, dem Sommermärchen-Autor von 2006. Und beim FC Bayern München, dem Branchenführer der Fußball-Bundesliga.

Getreu dem Motto „Alles auf Anfang" soll nun zur neuen Saison alles besser werden. Doch diesmal setzen die Bayern-Bosse auf Erfahrung. Louis van Gaal, der Zar von Alkmaar, soll die Mannschaft in der Bundesliga, im DFB-Pokal und in der Champions-League wieder an die Spitze führen. Zwar ist van Gaal auch ein Visionär, doch im Gegensatz zu Klinsmann hat er größte Erfolge auf Vereinsebene vorzuweisen: Champions-League-Triumph, UEFA-Cup-Sieg und drei Meisterschaften mit Ajax Amsterdam, zwei spanische Landesmeistertitel mit dem FC Barcelona und - ganz frisch - die Meisterschaft mit dem AZ Alkmaar. Louis van Gaal ist einer der größten Trainer Europas, ein Meistermacher und kein Sommermärchen-Erzähler, der mit dem FC Bayern etwas „Historisches schaffen" will. Er, der Taktikfanatiker, ist international erfahren, kommunikativ, führt mit den Spielern viele Einzelgespräche und passt zum FC Bayern wie die Faust aufs Auge. Kostprobe gefällig? „Mia san mia", wir sind wir und ich bin ich: selbstbewusst, dominant, arrogant, ehrlich, strebsam, innovativ, aber auch herzlich, warm und familiär - das ist Louis van Gaal. Dem selbsternannten Fußball-Revolutionär Jürgen Klinsmann wurde mangels sportlicher Erfolge das Rückgrat gebrochen. Dass dies auch Neu-Trainer van Gaal passieren könnte, kann man sich bei dem Selbstbewusstsein des Niederländers kaum vorstellen. Bereits nach der gewonnenen Meisterschaft mit Alkmaar hat der Star-Coach schon mal deutlich gemacht, was er von sich selbst hält: „Ich bin der Beste". Damit das auch so bleibt, hat sich van Gaal auch rechtzeitig um wichtige Transfers gekümmert und einen auf europäischer Bühne konkurrenzfähigen Kader geformt. Mit Gomez, Olic, Pranjic, Braafheid, Tymoshchuck und Baumjohan wurde die Mannschaft sowohl quantitativ als auch qualitativ verstärkt. Auch Jung-Profis wie Müller und Badstuber konnten bislang überzeugen. Sie kleben förmlich an den Lippen des Trainers, saugen jeden Hinweis auf und versuchen ihn sofort umzusetzen. Die Youngster des FCB wittern ihre Chance und geben nicht nur im Training mächtig Gas. Im Testspiel mit dem in die Jahre gekommenen Star-Ensemble AC Mailand erzielte Nobody Thomas Müller einen Treffer selbst und bereitete zwei weitere vor, wodurch er zum „Man of the match" avancierte und mächtig Druck auf die etablierten Akteure ausübt. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Körperlich und fußballerisch bringen die jungen Spieler des FC Bayern allesamt gute Voraussetzungen mit. Und das zeigen sie. Im Training und im Wettkampf. Wie auch Holger Badstuber, der bei der zukünftigen Besetzung der Innenverteidigung eine gewichtige Rolle spielen wird.

Das Star-Ensemble von der Isar geht folglich als haushoher Meisterschaftsfavorit in die Saison 2009 / 2010. Auch der DFB-Pokal-Sieg sowie ein erfolgreiches Abschneiden in der „Königsklasse" sind möglich, denn der FC Bayern verfügt über einen sehr homogenen Kader, der durchaus in der Lage ist, gegen die großen europäischen Gelddruckmaschinen à la Real Madrid zu bestehen. Gut möglich, dass der Zar von Alkmaar dann schon bald König von Bayern ist und sich nicht nur in der Bundesliga die Fußball-Krone aufsetzt.
Gesamtsieger-Quoten um 1.70 sollten im Auge behalten werden, während sich der Tipp, dass Mario Gomez Bundesliga-Torschützenkönig wird, schon jetzt durchaus lohnt. Aktuell erhält man bei Betfair eine Quote von 6.2 auf den Top-Torjäger.

Let´s bet, let´ s win, euer Benjamin!

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