Bundesliga: Krisengipfel zwischen Werder Bremen und Hertha BSC
Bundesliga
/ Josey / 05 Februar 2010 / Kommentar schreiben Wettbonus

Frings & Co hatten in den letzten Wochen wahrlich nicht viel zu lachen
Den Auftakt des 21. Spieltages der Fußball Bundesliga machen am Freitagabend (20.30 Uhr) im Weserstadion der SV Werder Bremen und Hertha BSC Berlin. Dieses Aufeinandertreffen kann mit Fug und Recht als "Krisengipfel" bezeichnet werden, auch wenn die Vorzeichen für die beiden Clubs unterschiedlicher kaum sein könnten.
Werder Bremen steckt in einer hausgemachten Krise: jahresübergreifend setzte es in der Bundesliga zuletzt fünf (!) Niederlagen in Folge, einmalig unter der Ägide des seit über zehn Jahren amtierenden Cheftrainers Thomas Schaaf. Auf Tabellenplatz 6 haben die Bremer bereits sieben Punkte Rückstand auf die internationalen Plätze. So könnte sich bereits frühzeitig in ähnliches Szenario wie bereits in der vergangenen Saison ergeben: damals dümpelte man im Mittelmaß herum und konnte/musste sich beizeiten ganz auf die Pokalwettbewerbe konzentrieren: dies gelang immerhin mit durchschlagendem Erfolg und rettete die Saisonbilanz vollends: im UEFA-Cup unterlag man erst im Finale, den DFB-Pokal gewannen die Norddeutschen, und konnte somit doch noch das Saisonziel, die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb, erreichen. Jetzt muss in der laufenden Spielzeit schleunigst wieder gepunktet werden, um die Bundesligasaison nicht erneut zur "Freundschaftsrunde" verkommen zu lassen. So richtig erschließen sich dem Außenstehenden die derzeitigen Probleme der Bremer nicht, denn im Gegensatz zum vergangenen Jahr stehen fast alle Stammspieler zur Verfügung: lediglich der bereits über viele Wochen hinweg verletzte und kranke Toptorjäger Claudio Pizarro fehlte bis zum letzten Samstag an allen Ecken und Enden. Das Fehlen von Linksverteidiger Boenisch, Jensen, oder dem jungen Philipp Bargfrede, die im ersten Drittel der Saison im defensiven Mittelfeld einen sehr guten Part spielte, muss ein ausgeglichener Kader wieder der Bremer kompensieren. Vielmehr scheint dem Team die Balance zwischen Offensive und Defensive derzeit völlig abhanden gekommen zu sein: die gefürchtete Angriffsmaschinerie ist schwer ins stocken geraten, und die jungen "Himmelsstürmer" Özil, Marin und Hunt suchen nach wie vor ihre Form von Saisonbeginn. Zu allem Überfluss zeigen auch die sonst gewohnt zuverlässigen Innenstopper Naldo und Mertesacker deutliche Schwächen, insbesondere im Umschaltverhalten. Davon ließ sich bei der bitteren 3:4-Niederlage in Mönchengladbach am vergangenen Wochenende auch Nationaltorhüter Wiese anstecken, der bei seinen teils weiten Ausflügen aus dem Tor immer mal wieder unglücklich auftritt und die lange Fehlerkette der Mannschaft vervollständigt.
Der Pokalsieger muss sich gegen diesen Negativlauf zunächst mit den elementaren fußballerischen Prinzipien wehren und das Augenmerk wieder mehr auf mannschaftliche Geschlossenheit, sowie kampf- und laufstarkes Auftreten legen; erst danach kann über das bereits frühzeitig als "magisches Dreieck" gefeierte Offensivtrio Özil - Hunt - Marin sowie Pizarro auch wieder gezaubert werden. Diese Wende muss mit dem derzeitigen Stammkader gelingen, denn große Alternativen stehen Coach Schaaf nicht zu Verfügung: Boenisch, Bagfrede, Jensen sowie Pasenen fallen weiterhin aus, und die Einwechselstürmer Almeida und Rosenberg enttäuschten zuletzt regelmäßig.
Mit solchen Problemen würde sich Gegner Hertha BSC Berlin sicherlich gerne beschäftigen, steht allerdings vor einer ganz anderen Herausforderung: nach einer katastrophalen Hinrunde mit nur sage und schreibe sechs (!) Punkten aus 17 Spielen war der Abstieg der "Alten Dame" praktisch bereits besiegelt. Die Probleme begannen im Abwehrverbund mit einer nach dem Abgang von Simunic nicht adäquat zusammengestellten und teils überforderten Defensive, setzt sich fort über ein Mittelfeld, in dem es vor Formkrisen (Ebert, Kacar, Raffael, Nicu) nur so wimmelte, bis hin zu einem kaum noch vorhandenen Angriff. Die Abgänge der erfolgreichen Torjäger Voronin und Pantelic wurden nicht annährend ersetzt, Rückkehrer Wichniarek konnte die Erwartungen nie erfüllen, der nachverpflichtete Ramos wie auch der junge Domovchiyski erwiesen sich bislang als nur bedingt bundesligatauglich.
Der noch wenige Monate zuvor gefeierte Trainer Lucien Favre wurde schließlich Anfang Oktober entlassen und durch den erfahrenen "Abstiegskämpfer" Friedhelm Funkel ersetzt, alleine es fehlte weiterhin an Punktgewinnen. In der Winterpause erfolgte eine Neuausrichtung, unter anderem mit den bundesligaerfahrenen Neuzugängen Kobiashvili und Gekas. Auch der lange verletzte Florian Kringe ist quasi als Neuzugang anzusehen. Funkel ist es insbesondere nach der Winterpause gelungen, der Mannschaft eine neue Handschrift zu verpassen: das Team tritt wesentlich geschlossener und kompakter auf, die Abwehr verdient mittlerweile wieder diese Bezeichnung. Gegenüber den nur 6 Punkten in der gesamten Vorrunde wurden nun in 3 Begegnungen bereits 5 Punkte eingesammelt. Die ausgerufene Aufholjagd Richtung Klassenerhalt begann stürmisch mit einem deutlichen 3:0-Auswärtserfolg bei Konkurrent Hannover 96. Dieser Anfangseuphorie wurde allerdings ein deutlicher Dämpfer versetzt, als in den aufeinanderfolgenden Heimspielen gegen Mönchengladbach und Bochum nur Unentschieden heraussprangen. Immerhin blieb man aber nicht nur 3x ungeschlagen, sondern ebenso ohne jeden Gegentreffer. Auf dieser Basis will der erfahrene Friedhelm Funkel weiter aufbauen. Neben der funktionierenden Abwehr zeigt sich das Mittelfeld um Cicero und Raffael sowie den "Sechser" Kringe laufstärker und auch spielerisch besser als noch im vergangenen Jahr. Alleine im Angriff drückt weiterhin der Schuh: der ehemalige Bundesliga-Torschützenkönig Gekas sowie Ramos haben das nötige Potenzial, haben jedoch noch unübersehbare Abstimmungsschwierigkeiten und tragen sich schwer an der Bürde, den Hauptstadtklub noch zum Klassenerhalt schießen zu müssen.
Der Anfang zu Beginn der Rückrunde ist immerhin gemacht, die Mannschaft zweifellos auf dem richtigen Weg und bereits ein Teil des großen Punkterückstandes in der Tabelle aufgeholt. Aufgrund der Formkurve und dem vorhandenen Potenzial ist den Berlinern absolut zuzutrauen, die vor ihnen liegenden Teams wie Nürnberg und Hannover noch einzuholen und zumindest den Relegationsrang zu erreichen. Die deutlich verbesserte Defensivarbeit der gesamten Mannschaft muss beibehalten werden, zudem über ein sich steigerndes Mittelfeld (Raffael, Cicero, Kacar?) mehr Torgefahr entwickelt werden.
Prognose und Wett-Empfehlung
Trotz der durchaus positiven Tendenz des Tabellenletzten wird die kleine Serie in Bremen keine Fortsetzung finden. Für Werder steht mittlerweile die gesamte Saison auf dem Spiel, eine weitere Pleite wäre selbst an der beschaulichen Weser nicht auszudenken. Ich tippe auf einen - wenn auch schwer erkämpfen und äußerst knappen - Heimsieg der Bremer, bei Quoten um 1.50
