FC Bayern attackiert die Schaaf-Herde
Fussball
/ Benjamin Heidlberger / 14 August 2009 / Kommentar schreiben

Brisanz am 2. Spieltag: Heute tritt Thomas Schaaf mit seinem SV Werder zum Topspiel in München an. Die Bremer stehen nach ihrer Auftakt-Niederlage bereits mächtig unter Zugzwang. Aber auch die Bayern wollen einen Fehlstart vermeiden und der Schaaf-Herde das Fell über die Ohren ziehen.
Die Ausgangslage
Der FC Bayern München und der SV Werder Bremen, beide sieglos, wollen im direkten Duell den Fehlstart vermeiden. Die Gäste aus Bremen, die nach der 2:3-Heimniederlage zum Auftakt gegen Eintracht Frankfurt am 2. Bundesliga-Spieltag zum Nord-Süd-Gipfel beim FC Bayern München antreten müssen, würden bei einer erneuten Pleite schon gleich zu Saisonbeginn den Anschluss an die Spitzenpositionen verlieren. Mut, ausgerechnet gegen den deutschen Rekordmeister das Ruder herumzureißen, macht ausschließlich das Hinspiel aus der Vorsaison. Damals demontierte die Schaaf-Herde am 5. Spieltag das von Jürgen Klinsmann betreute Star-Ensemble von der Isar in der Münchner WM-Arena mit 5:2. Doch der morgige Bundesliga-Klassiker steht unter neuen Vorzeichen: Die Bayern haben nach einer Katastrophen-Saison ohne Titel mächtig aufgerüstet. Gomez, Olic, Thymotschuk, Pranjic und Braafheid sind die neuen Stars an der Säbener Straße. Zudem wurde mit Louis van Gaal ein international erfahrener Trainer verpflichtet, der die Mannschaft sowohl in der Bundesliga als auch im DFB-Pokal und der Champions-League wieder an die Spitze führen soll. Werder Bremen hingegen steht nach der Post-Diego-Ära vor einem Neuanfang. Das Saisonziel ist dennoch dasselbe geblieben: Oben mitspielen! Ein schwieriges Unterfangen...
Der Kader
Der Werder-Kader hat durch die Abgänge von Diego, Pizarro und Baumann - insbesondere in der traditionell starken Bremer Offensive - einen erheblichen Qualitätsverlust erlitten. Mit Spielmacher Diego, der in die italienische Serie A zu Juventus Turin wechselte, ist Werders Denker, Lenker und Herzstück der Offensivabteilung, verloren gegangen. Der brasilianische Edeltechniker erzielte in der vergangenen Saison 12 Tore in 21 Spielen und steuerte zudem sechs Tor-Vorlagen bei. Sein Transfer spülte zwar 24 Millionen Euro in die Vereinskasse, doch er hinterlässt eine klaffende Lücke, zumal die Bremer-Verantwortlichen bislang keinen adäquaten Ersatz verpflichtet haben. Der beim FC Chelsea unter Vertrag stehende Pizarro war mit 17 Treffern Bremens erfolgreichster Torschütze. Auch er ist weg. Ebenfalls Mittelfeld-Stratege Baumann, der nach gefühlten 50 Jahren als Werder-Kapitän die Binde freigegeben und seine Karriere beendet hat. Geblieben sind u.a. Thorsten Frings, der mit seinen Verbal-Attacken in Richtung Bundestrainer Löw zum größten Teil außerhalb des Platzes für Furore sorgt.
Özil und Marin sind jung und werden noch einige Zeit benötigen, um Diegos Abgang zu kompensieren. Während Dribbelkönig Marin - dem ich keinesfalls seine fußballerische Klasse absprechen möchte - mit Einlagen in den Schuhen gerade eben über die Werbebanden der großen Fußball-Stadien blicken kann und physisch einfach (noch) nicht stark genug ist, hat Linksfuß Özil eine sehr gute Entwicklung genommen. Dennoch: Auch Özil, vor knapp zwei Jahren für rund 5,0 Millionen Euro von Schalke 04 verpflichtet, wurde als Perspektivspieler geholt. Jetzt wird er ins kalte Wasser geworfen und soll auf Anhieb schwimmen.
Festzuhalten bleibt also: Mit Diego und Pizarro sind dem SV Werder Bremen fußball- und schlagzeilentechnisch zwei absolute Lichtgestalten und mit Baumann ein großes Stück Kontinuität abhanden gekommen. Alle drei Abgänge wurden nur quantitativ eins zu eins ersetzt: Marin kam für Diego, Moreno für Pizarro und Borowski für Baumann. Insbesondere Borowski konnte sich auf der Bayern-Ersatzbank eindrucksvoll für eine Rückkehr nach Bremen empfehlen. Achtung: Ironie!!! Im Sturm streiten sich damit vier mittelmäßige Stürmer um zwei Plätze. Das ist komfortabel, aber nicht unbedingt leistungsfördernd.
Mit Diego und Baumann hat sich zugleich die Mittelfeldraute aus Bremen verabschiedet, die Werder in der Saison 2003 / 2004 mit dem Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal überhaupt erst salonfähig gemacht hat. Fortan versucht Schaaf seine Herde zwar weiterhin im 4-4-2 im Zaum zu halten, allerdings mit Frings und Borowski als „Doppelsechs" und den kreativen Marin und Özil als Diego-Nachfolgerduo. Allein die Tatsache, dass Özil und Marin den abgewanderten Diego ersetzen sollen, zeigt, dass man in Bremen davon ausgeht, einen Spieler durch zwei ersetzen zu müssen. Dann hat man auf der Kehrseite einen weniger, um andere Aufgaben zu erfüllen.
Die Bayern hingegen haben enorm aufgerüstet (Gomez, Olic, Thymotschuk, Pranjic, Braafheid) und mit van Gaal einen Top-Trainer verpflichtet, der an der Säbener Straße für frischen Wind sorgen wird. Alle Positionen sind doppelt besetzt und auch die aufstrebenden Youngster wie Müller und Badstuber haben gezeigt, dass auch sie eine gute Rolle spielen können. Gegen den SV Werder Bremen kann Neu-Trainer van Gaal zwar erneut nicht auf seine Wunschelf zurückgreifen, da van Bommel, Demichelis (jeweils verletzt) und Luca Toni (Trainingsrückstand) sowie der gesperrte Lell (Rote Karte beim Spiel der 2. Mannschaft) ausfallen werden. Dafür steht Bayerns Fußball-König, Franck Ribéry, vor seinem Saisondebüt. Für das „kleine Schwein" van Bommel (O-Ton Assauer) wird Neuzugang Thymotschuk als Sechser fungieren. Der Ukrainer „brennt" darauf, seine Qualitäten unter Beweis zu stellen. Auch die Schaaf-Herde ist nicht komplett: Prödl (Gelb-Rot) und Rosenberg (Knieprobleme) fallen definitiv aus. Hinter Naldo und Boenisch stehen noch dicke Fragzeichen.
Fazit
Bremen muss auf der Hut sein, eine Achterbahnfahrt wie in der letzten Saison abzuwenden. Der Kader ist erneut sehr dünn besetzt, so dass verletzungsbedingte Ausfälle kaum kompensiert werden können. Mit Diego, Pizarro und Baumann verließen zudem drei absolute Führungsspieler den Verein. Ein großes Problem liegt auch insbesondere darin, dass die ohnehin nicht besonders sattelfeste Defensive nicht verstärkt wurde und die traditionell starke Offensive deutlich schwächer besetzt ist als früher. Schon beim Auftakt gegen Frankfurt traten die eklatanten und altbekannten Abwehrschwächen deutlich zu Tage. Wenn man sich auch so gegen die Bayern präsentiert, wird es eine deutliche Pleite setzen. Während Bayern den ersten Sieg will, muss Bremen nach der Auftaktniederlage gegen Eintracht Frankfurt unbedingt den Null-Punkte-Fehlstart vermeiden. Mit einem Unentschieden würde Bremen daher sehr gut leben können. Die Bayern, die die 2:5-Heimschlappe aus der letzten Saison sicherlich noch gut in Erinnerung haben, werden sich allerdings an Bremen revanchieren, ihre Meisterschaftsambitionen unterstreichen und der Schaaf-Herde das Fell über die Ohren ziehen. Ich erwarte einen HC-Sieg mit Toren von Ribéry und Gomez.
Meine Wett-Empfehlung
Ich wette auf einen Sieg des FC Bayern München, bei Back-Quoten ab 1.66.
