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Weltmeisterschaft

Abstiegskampf: Elf Fußballhelden, die nach Karriereende abstürzten

Fussball RSS / Bodo Braunmühl / 26 August 2009 / Kommentar schreiben

Im Expresstempo nach ganz unten: Wenn Fußballhelden im Fahrstuhl des Lebens abwärts fahren, geht es oft sehr tief. Vielfach waren die Abstürze nach dem Ende der Sportlerlaufbahn selbst verschuldet, manchmal unglücklich, aber immer dramatisch. Vom Weltmeister zum Bettler - elf extreme Fußball-Schicksale.



11. Gerd Müller (*1945)
Der,„Bomber der Nation" ist der erfolgreichste deutsche Stürmer aller Zeiten. Müller erzielte 365 Tore für Bayern München (7x Torschützenkönig) und 68 Treffer für die deutsche Nationalmannschaft (in nur 62 Spielen!). Neben zahlreichen Vereinstiteln wurde er 1972 Europameister und 1974 Weltmeister.
Nach seinem Karrierende 1982 fiel Müller in ein tiefes Loch. Mit Geschäftsideen wie einem Steakrestaurant scheiterte Müller, die einsetzende Leere in seinem Leben versuchte er mit Alkohol zuzuschütten. "Gott sei Dank ist das alles gut gegangen", sagt Müller heute. Er ist dem FC Bayern dankbar, dass er nicht vergessen wurde. Manager Uli Hoeneß schickte Müller zur Entziehungskur und gab ihm 1992 eine neue Aufgabe, zunächst als Torwarttrainer, danach als Assistent bei den Amateuren. Bis 2010 läuft Müllers Vertrag.




10. Jürgen Wegmann (* 1964)
Ein berühmtes Zitat von "Kobra" Jürgen Wegmann lautet: „Erst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech hinzu". Tragischerweise sollte dieser Spruch auch zu einem Leitmotto nach seiner höchst erfolgreichen Fußballerkarriere werden. 1987 kam Wegmann als Stürmer zu Bayern München, erzielte 1988 das "Tor des Jahres" und wurde 1989 Deutscher Meister mit den Bayern. Insgesamt traf er 69 Mal in der Bundesliga, wurde aber durch viele Verletzungen zu einem frühen Karrierende gezwungen.
Nach seiner Profi-Laufbahn arbeitete Wegmann eine Weile als Lagerist im Fanshop von Borussia Dortmund und war später auf Hartz IV angewiesen. Anfang 2008 war es (wie schon im Fall Gerd Müller) Uli Hoeneß, der Wegmann eine Arbeitsstelle im Bayern-Fan-Shop in Oberhausen besorgte, erst als Lagerist, mittlerweile als Securitymann.




9. Günther Breitzke (* 1967)
Breitzke wurde schon als 22jähriger in seinem ersten Jahr bei Borussia Dortmund DFB-Pokalsieger. Er stand in der Elf, die 1989 Werder Bremen im Finale 4:1 besiegte (Foto: das Finale von 1989). In den Folgejahren spielte sich der technisch versierte Straßenfußballer in die Stammelf und spielte im BVB-Mittelfeld neben Nationalspielern wie Möller, Rummenigge und Zorc. 1991/92 wurde er Vizemeister mit dem BVB.
Heute bezieht der gelernte Maler und Lackierer Stütze. „Ich sitze den ganzen Tag vor dem Fernseher. Was soll ich auch sonst machen? Ich habe keine Stelle, kein Geld, kein Auto, keine Freundin, muss mit ein paar Euro Hartz IV auskommen", verriet der Dortmunder Pokalheld im Frühjahr 2009. Breitzke lebt heute verarmt in einer kleinen Zweiraumwohnung in Köln-Stammheim.




8. Ansgar Brinkmann (*1969)
Sein technisch versierter Stil mit Hang zum Übersteiger und Absatzkick brachte ihm den Spitznamen "Der weiße Brasilianer" ein. Der Mittelfeldspieler galt lange als der "letzte Straßenfußballer" Deutschlands. Noch heute hat er eine eingeschworene Fangemeinde, seine T-Shirts (s. Bild) genießen Kult-Charakter. Brinkmanns Karriere war geprägt von vielen Vereinswechseln. Höhepunkte war seine Bundesligazeit bei Eintracht Frankfurt (1998/99) und Arminia Bielefeld (2002/03). 2009 ließ er sich bei seinem Abschiedsspiel in Bielefeld kurz vor Abpfiff symbolisch für seine unkonventionelle Karriere die Rote Karte zeigen.
Auch außerhalb des Platzes machte er mit diversen Eskapaden auf sich aufmerksam. So flüchtete er bei einer Verkehrskontrolle vor der Polizei und war in diverse Schlägereien verwickelt, wegen denen er zu insgesamt 42.000 Euro Geldstrafe wegen Körperverletzung verurteilt wurde. Zudem machte er Schlagzeilen durch die Insolvenz eines Reha-Zentrums und seine Investitionen in eine dubiose Bielefelder Einkaufspassage. Dies brachte ihn einen neuen Prozeß ein, bei dem er angab, durch seine Investitionen mehr als 150.000 Euro verloren zu haben. Legendär ist die Ansage auf seinem Anrufbeantworter: „Bin bis fünf Uhr früh in meiner Stammkneipe zu erreichen." Brinkmanns gesammelte Kapriolen schadeten seinem Kontostand, nicht aber seinem Ruf bei den Fans.




7. Jimmy Hartwig (*1954)
Als Verteidiger beim Hamburger SV hatte Hartwig in den 80ern seine große Zeit: Mit dem HSV wurde er dreimal Deutscher Meister, gewann mit Felix Magath den Pokal der Landesmeister und spielte zweimal für die deutsche Nationalelf.
Nach seiner sportlichen Karriere wurde Jimmy Hartwig vom Schicksal arg gebeutelt. Nach verschwenderischer Lebensweise und Drogenproblemen musste er als Kondom-Vertreter jobben. In der Folge versuchte er sich als Trainer, Theater-Schauspieler und gab TV-Gastspiele u.a als Moderator von Call-in-Shows, als Insasse des RTL-Dschungelcamps oder in einer Seifenoper.
Seine schwerste Herausforderung aber war die Krebskrankheit, die ihn dreimal heimsuchte. Nach dem dreifach erfolgreichen Kampf gegen seine Krebserkrankungen wirbt Hartwig heute engagiert für Vorsorgeuntersuchungen.




6. Erwin Kostedde (* 1946)
Kostedde bestritt 219 Partien in der Bundesliga, u.a. für Kickers Offenback, Borussia Dortmund und Werder Bremen. Der Stürmer schoß 1974 das „Tor des Jahres". Mit Standard Lüttich wurde er dreimal belgischer Meister und Torschützenkönig. Höhepunkt seiner Karriere waren seine drei Einsätze für die deutsche Nationalmannschaft 1974 und 1975. Aus seiner aktiven Zeit als Profi-Fußballer stammt der Ausspruch: „Ich möchte nie mehr arbeiten, sondern nur noch am Tresen stehen und saufen."
Sein Geld verlor Kostedde aber, weil er auf Anlageberater hörte, die ihn mit Beteiligungen an Scheinfirmen und Bauherrenmodellen in England und Belgien betrogen. Dabei verlor er einen siebenstelligen D-Mark-Betrag. 1990 saß er monatelang unschuldig im Gefängnis, weil er fälschlicherweise des Überfalls auf eine Spielhalle bezichtigt wurde. Heute lebt er in einfachsten Verhältnissen in Münster.




5. Eike Immel (*1960)
Immel war deutscher Nationaltorhüter und stand im Kader bei den Weltmeisterschaften '82 und '86 sowie den Europameisterschaften '80 und '88. Er bestritt 537 Bundesliga-Spiele für Borussia Dortmund und den VfB Stuttgart (nur Oliver Kahn kommt als Torhüter auf mehr Einsätze). Schon mit 18 fuhr er einen Porsche, den er zu Schrott fuhr.
Die Gründe für seinen Absturz nach Karriereende liegen in einer Kombination aus gesundheitlichen Problemen und naiven Umgang mit seinen Finanzen. Seit eine Erkrankung an der Hüfte diagnostiziert wurde, konnte er seiner Tätigkeit als Torwarttrainer nicht mehr nachgehen. Gleichzeitig verspekulierte er sich an mehreren Fronten: mit Bauherrenmodellen; als Geschäftsführer einer Verleihfirma für Luxusautos; und beim großzügigem Ausgeben und Verleihen von Geld verlor er Millionen. 2007 musste er den Offenbarungseid ablegen und war insolvent. Immel: „Es hat Tage gegeben, an denen ich keine zehn Cent hatte, um mir morgens ein Brötchen zu schmieren."
Seit Juni 2008 ist Immel wegen Betrugs rechtskräftig vorbestraft, weil er sich 15.000 Euro borgte, die zugesagte Rückzahlung des doppelten Betrags binnen eines Monats aber nicht erfolgte. Ein sechsstelliger Schuldenberg liegt vor ihm, den er u.a .mit einem Auftritt im RTL-Dschungelcamp 2008 abbauen wollte. Mit einer Torwartschule in Kassel soll es nun wieder aufwärts gehen.




4. Garrincha (*1933, † 1983)
Der zweifache Fußballweltmeister mit Brasilien gilt in seinem Heimatland bei vielen Menschen noch vor Pelé als größter Fußballer aller Zeiten. Doch nach Ende seiner Laufbahn kam der tiefe Sturz: Erst versuchte er sich als Playboy (er zeugte mind. 14 Kinder), dann wurde er alkoholsüchtig. Er starb mit mit 49 Jahren verarmt und vereinsamt an einer Leberzirrhose.




3. Paul Gascoigne (*1967)
Der Brite war und ist absoluter Vollprofi in Sachen "Abstürze". Das Markenzeichen von Gazza sind sein brillianter Stil als Fußballer - und seine Eskapaden abseits des Platzes. Der Mittelfeldspieler führte England bei der WM 1990 ins Halbfinale, wo das Team erst im Elfmeterschießen gegen Deutschland ausschied. In seiner Vereinskarriere wechselte er nach verschiedenen Stationen in England zu Lazio Rom und danach zu den Glasgow Rangers, mit denen er 1996 schottischer Meister und Pokalsieger wurde.
Nach Ende seiner Laufbahn war Gazza Dauergast in den Schlagzeilen des Boulevards, meist wegen gesundheitlicher oder psychischer Probleme. Die Scheidung von seiner Frau; der Tod eines Freundes nach einer gemeinsamen Zechtour; ein lebensbedrohliches Magengeschwür und anhaltende Alkoholprobleme machten ihm zu schaffen. Mehrere Entzugsversuche von seiner Alkoholsucht blieben erfolglos. Negativer Höhepunkt war 2008 ein angeblicher Suizidversuch in einem Londoner Hotelzimmer und die anschließende Einlieferung in die Psychatrie.




2. George Best (*1946, † 2005)
Der nordirische Flügelstürmer machte sich nicht nur durch seine Tore unsterblich, sondern auch mit diesem legendärem Spruch nach seinem Karriereende: „Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst."
Seine Karriere war voller Höhepunkte. Im Jahre 1968 gewann Best mit Manchester United den Europapokal der Landesmeister und wurde zu Europas Fußballer des Jahres gewählt.
Sein extravaganter Lebensstil nach seiner aktiven Laufbahn führte jedoch dazu, dass er immer mehr dem Alkoholismus verfiel, der den Karriereverlauf nachhaltig beeinträchtigte und schließlich zu seinem frühen Tod im Alter von nur 59 Jahren führte, nachdem er an einer Niereninfektion erkrankte.
Best war aufgrund seiner Volksnähe und Schlitzohrigkeit bei den Fans sehr beliebt, aber Trunkenheitsfälle vor laufenden TV-Kameras, Vorwürfe von häuslicher Gewalt und seine Unfähigkeit, das Trinken selbst nach einer Lebertransplantation aufzugeben, zeigten der Öffentlichkeit seine Schattenseiten. Auch finanziell machte Best negative Schlagzeilen, als er verkündete, seine Trophäe als "Europas Fußballer des Jahres" verkaufen zu müssen, um mit dem Erlös ein Haus zu finanzieren. Trotz aller Kapriolen - oder gerade deswegen - versammelten sich zu seiner Beerdigung in Belfast rund 100.000 Menschen.




1. José Leandro Andrade (*1901, † 1957)
Der Fußballspieler aus Uruguay war der erste Weltstar des internationalen Fußballs. Man nannte ihn "La Maravilla Negra" („Das schwarze Wunder"). Mit Uruguay holte er Gold bei den Olymischen Spielen 1924 und 1928 und gewann die erste Fußball-Weltmeisterschaft aller Zeiten 1930. Das erfolgreiche WM-Finale war gleichzeitig das letzte Spiel seiner Karriere. Danach ging er nach Paris, wo er ein ausschweifendes, kostspieliges Leben führte. Maßgeschneiderte Anzüge, luxuriöse Wohnungen und spendable Geschenke gehörten zu seinem Lebensstil. Als ihm das Geld auging, verkaufte er seine Olympia-Medaillen. Alkoholprobleme beschleunigten seinen Abstieg. Am Ende landete Andrade als Bettler auf den Straßen von Paris und starb schließlich in einem Armenhaus in Montevideo, Uruguay.

P.S. Wer Diego Maradona in dieser Aufzählung erwartet: Die Fußball- Ikone erhält an dieser Stelle demnächst eine eigene, umfassende Würdigung.

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