22. Bundesliga Spieltag
Fussball
/ Benjamin Heidlberger / 28 Februar 2009 / Kommentar schreiben
Hertha BSC vs. Borussia Mönchengladbach, 28.02.2009, 15.30 Uhr (kick-off)
Das Leben verläuft nicht im Konjunktiv...
Nach der bitteren 2:1-Niederlage in der VW-Stadt war die Entrüstung beim Berliner Bundesligisten groß. Diesmal auch halbwegs zu Recht und emotional gut nachvollziehbar. Denn dem 2:1-Siegtreffer der „Wölfe" ging eine Aktion von Stürmer Dzeko voraus, die man gut und gerne als Foulspiel hätte werten können. In England wäre ein solches „Trikotzupfen" mit Sicherheit nicht abgepfiffen worden, doch in Deutschland echauffiert man sich ja permanent, wenn es mal etwas ruppiger zugeht. Manche selbsternannte Experten oder verbitterte Hertha-Fans reden dennoch von einer krassen und für die ganze Fußball-Nation deutlich sichtbaren Fehlentscheidung von Schiedsrichter Knut Kircher. Doch ich denke, Wut und Aggressionen sind hier fehl am Platz. Hertha hatte genug Dusel in der Vergangenheit. Erinnern wir uns mal an den 1:0-Erfolg gegen die „Werkself" in Leverkusen, wo Ex-Bayer-Spieler Voronin in der Nachspielzeit den entscheidenden Treffer markierte. In diesem Spiel hatten die Berliner gefühlte 20% Ballbesitz und in strittigen Situationen wurde sogar gegen die Heimmannschaft aus Leverkusen gepfiffen. Und jetzt ratet mal, wer an diesem besagten 7. Spieltag der Unparteiische war? Richtig: Knut Kircher! Daher würde ich den Berliner-Verantwortlichen raten, nicht von einer „klaren Benachteiligung" zu sprechen. Was müssten denn dann die Bayern sagen, denen im Laufe der bisherigen Saison schon acht reguläre Tore aberkannt worden sind? Wie dem auch sei: Herthas Höhenflug ist nun erstmal gestoppt. Zwar hat Hertha-Coach Lucien Favre eingeräumt, er habe für einen kurzen Moment daran gedacht, dass ein Sieg den Berlinern „eine sehr schöne Situation" beschert hätte, doch sie hat sich am 21. Spieltag für Hertha BSC nicht ergeben. Fünf Punkte Vorsprung gegenüber dem schwächelnden Titelverteidiger und Top-Favoriten Bayern München hätten die Berliner bei einem Sieg in Wolfsburg auf dem Konto gehabt. Sie wären weiterhin Tabellenführer geblieben und - bei einem Sechs-Punkte-Polster zum Liga-Sechsten VFL Wolfsburg - schon fast sicher für die Champions-League 2009 / 2010 qualifiziert. Doch (leider) verläuft das Leben nicht im Konjunktiv. Hätte, wenn und aber zählen nicht. Schon gar nicht im Fußball. Jedenfalls rechne ich den Hertha-Profis hoch an, dass wenigstens sie nicht die Schuld bei Knut Kircher suchen. Diese Haltung spricht für einen neuen Geist bei der Hertha. Es gab schließlich schon Zeiten, da wären in Berlin bei solchen „Fehlentscheidungen" die Fetzen geflogen. Da hätte sich Dieter Hoeneß vor die laufende Kamera gestellt und lauthals über permanente Benachteiligungen geklagt. Doch am vergangenen Spieltag und unter der Woche begaben sich die Blau-Weißen umgehend auf Fehlersuche bei sich selbst und analysierten ihr eigenes Spiel. Schnell fiel auf, dass man in der VW-Stadt viele Fehler gemacht hat. Nachdem man 1:0 in Front lag, hätte man weiter Druck ausüben müssen. Doch der Auftritt der Berliner, die bis dahin weit überlegen waren, hat nach dem 1:0 einfach nicht mehr gestimmt. Die zu riskante Spielweise mit Nachlässigkeiten in der Defensive sowie auf den Außenbahnen und unnötige Ballverluste brachte Hertha um den Lohn einer spielerisch ansprechenden Leistung. Das nenne ich mal eine konstruktive Reaktion, die bei Hertha durchaus für eine neue Kultur stehen könnte. Wohl auch im Wissen, dass man sich in dieser Saison über mangelndes Glück gewiss nicht beklagen kann. Schließlich hat Berlins Bundesligist eine ganze Reihe enger Spiele für sich entschieden. Den Ausschlag dabei gaben Details wie auch in Wolfsburg, nur diesmal gegen Hertha. „Alle Spiele in der Bundesliga sind eng", sagt Lucien Favre. Recht hat er! Wer nicht bis zur Schmerzgrenze und darüber hinaus geht, der hat auch gegen die vermeintlichen Absteiger wie Bielefeld, Gladbach oder den Karlsruher SC keine Chance. Vor dem 12. Heimspiel am morgigen Samstag gegen den zuletzt drei Mal in Folge ungeschlagenen Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach (1:1 vs. TSG 1899 Hoffenheim, 1:1 vs. SV Werder Bremen, 3:2 vs. Hannover 96) besitzt jener Standardsatz des Trainers besondere Bedeutung. Wer diese Partie für einen Selbstläufer hält, der hat schon verloren. Gegen das von Trainer-Fuchs Hans Meyer trainierte Team vom Niederrhein wird es personell kaum Änderungen geben. Top-Torschütze Marko Pantelic plagt sich weiterhin mit Kniebeschwerden herum und kann wie Gojko Kacar (Achillessehnenreizung) nicht mit der Mannschaft trainieren. Innenverteidiger Simunic und der vom FC Liverpool ausgeliehene Voronin sind zwar leicht angeschlagen, einem Einsatz gegen Gladbach steht jedoch nichts im Weg. Ich bin davon überzeugt, dass sich die Herthaner an Gladbach für die verpasste Chance in Wolfsburg revanchieren werden. So versprach z.B. Adnrej Voronin, dass man sich am Wochendene die Tabellenspitze zurückholen werde. Diese „Jetzt-erst-recht-Haltung" habe ich in Berlin lange Zeit vermisst. Doch ich denke, dass die Mannschaft unter Lucien Favre einen Reifeprozess durchlaufen hat und in der Lage ist, solche kniffligen Spiele zu gewinnen. Daher tippe ich bei betfair auf einen Hertha-Heimsieg...
Let's bet, let's win, euer Benjamin!
SV Werder Bremen vs. FC Bayern München, 01.03.2009, 17.00 Uhr (kick-off)
22. Spieltag: Das Spiel der Spiele...
„Werde schafft Sensation", „Das war Milan und wir sind weiter", „Wir waren zwei Mal die bessere Mannschaft"...
Liebe Werder-Fans, seid mir nicht böse, aber ich kann es nicht mehr hören! Zum Hinspiel: Es ist doch selbstverständlich, dass man im eigenen Stadion und vor heimischer Kulisse sofort Gas gibt und loslegt wie die Feuerwehr. Daher war es auch kein Wunder, dass Bremen in den ersten zehn Minuten ein klares Chancenplus zu verzeichnen hatte. Doch im Laufe der Partie wurden die Gäste aus Mailand immer dominanter. Nach dem 1:0 durch Inzaghi folgte noch ein Pfostentreffer, der das K.O. für die Weser-Elf bedeutet hätte. Der späte Ausgleich von Diego (85.) war daher durchaus schmeichelhaft. Dass in den letzten fünf Minuten der regulären Spielzeit wieder Bremen das Zepter in die Hand nahm, ist auch nur eine logische Konsequenz der internationalen Fußball-Bühne. Wäre ja schön blöd, wenn Milan nach dem 1:1-Ausgleich erneut aufmachen und auf das 2:1 drängen würde. Aber 15 Minuten „Power-Play" reichen nun mal nicht aus, um eine Mannschaft wie Milan zu bezwingen. Durch das 1:1 im Hinspiel hat die Mannschaft aus Italien, die übrigens die meisten internationalen Titel der Welt vereint, schon fast sicher das Ticket für das Achtelfinale im UEFA-Cup gelöst. Schließlich sind die Ancelotti-Schützlinge vor heimischer Kulisse kaum zu schlagen. Das San Siro gleicht einer Festung, aus der bislang nur sehr wenige Teams einen Dreier entführen konnten. Nun zum Rückspiel: Mag sein, dass das 2:2-Unentschieden in Ordnung geht oder sogar mehr als verdient war. Aber Fakt ist auch, dass Mailand die Mannschaft war, die bereits nach 45 Minuten mit 2:0 geführt hat. Chancen hin, Chancen her. Wenn Werder nicht in der Lage ist, die sich bietenden Chancen zu nutzen, dann darf man sich über einen 2:0-Rückstand auch nicht beschweren. Die Mannschaft aus der Lombardei hat den Gästen von der Weser eine Lehrstunde an Effizienz erteilt. Das ist der kleine, aber feine Unterschied zwischen einem Top-Club und einem Bundesliga-Team, bei dem es aktuell nur für einen Platz im grauen Liga-Mittelfeld reicht. Doch dass die Werder-Verantwortlichen um Trainer Schaaf und Sportdirektor Allofs schon längere Zeit an Realitätsverlust leiden und sich immer für die bessere Mannschaft halten, wurde gestern mal wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt. So sagte z.B. Frings, dass man sowohl im Hin- als auch im Rückspiel die bessere Mannschaft war. Ich - als bekennender Frings-Sympathisant - frage mich da schon, ob der 79-malige Nationalspieler Tomaten auf den Augen hat(te)? Vielleicht ist es ja auch nur eine Schutzhaltung, die man den Weser-Kickern nicht Übel nehmen darf? Im Hinspiel kann man jedenfalls mit dem 1:1 mehr als zufrieden sein. Und dass man im Rückspiel das bessere Team war, stellt auch keiner in Frage. Dennoch war das gestrige Remis glücklich. Denn wer hätte es für möglich gehalten, dass Werder nach dem 2:0-Rückstand noch mal zurückkommt? Wie dem auch sei: Jetzt, wo man Milan aus dem UEFA-Cup „gekickt" hat, will man gegen das Star-Ensemble des FC Bayern München nachlegen. Ich denke, dass man mit dem FCB personell nicht auf Augenhöhe steht. Werder hat es versäumt, in der Vergangenheit adäquaten Ersatz für die abgewanderten Klose und Klasnic zu verpflichten. Die vermeintlichen Verstärkungen wie Prödl oder Carlos Alberto waren nichts weiter als ein Griff ins Klo. Das sonst so glückliche Händchen, das Allofs in der Vergangenheit auf dem Transfermarkt hatte, ließ Werder diesmal im Stich. Hinzu kommt, dass sich die Führungsspieler wie Frings und Mertesacker nicht in Bestform befinden und Leistungsträger wie Diego und Pizarro immer wieder durch Disziplinlosigkeiten auffallen. Die sonst so beliebten Bremer haben bei mir ihren Sympathie-Bonus schon längst verspielt. Gegen die von Neu-Trainer Jürgen Klinsmann gecoachten Bayern wird sich zeigen, ob das 2:2-Unentschieden in Mailand bestätigt werden kann. Die „Klinsmänner" haben am Mittwoch Sporting Lissabon auswärts mit 5:0 vom Platz „gefegt". Eine unterdurchschnittliche Leistung hat gereicht, um sich bereits im Hinspiel für das Viertelfinale der „Königsklasse" zu qualifizieren. Allerdings steht der deutsche Rekordmeister in der Bundesliga unter enormen Zugzwang, denn der Abstand auf Spitzenreiter Hamburg beträgt bereits vier Punkte. Für den FCB ist nun die Zeit gekommen, wo man eine Sieges-Serie starten muss. Die Spiele gegen Werder waren in der Vergangenheit oft sehr eng, doch ich denke, dass die Bayern nach dem 5:0 in Lissabon wieder gefestigt sind und mit viel Selbstvertrauen in die Sonntags-Partie im Weserstadion gehen können. Ich tippe auf einen Bayern-Sieg und auf über 2,5 Tore. Ribéry, Toni und Klose werden ihren Part dazu beitragen...
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